Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
Ad Hoc146: Nachwuchspanel: Spannungen überwinden? Soziologische Perspektiven
Zeit:
Montag, 21.09.2020:
10:00 - 13:00

Chair der Sitzung: David Prinz, Deutsche Nachwuchsgesellschaft für Politik- und Sozialwissenschaften
Chair der Sitzung: Morten Harmening, Leibniz Universität Hannover
Ort: digital
Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

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Präsentationen

Spannungsfreie interkulturelle Zusammenarbeit nach einem interkulturellen Training? Die Möglichkeit der Dynamisierung sozialer Ordnungsvorstellungen durch interkulturelles Training

Mei-Chen Spiegelberg

TU Dresden, Deutschland

Globale Vergesellschaftung bewirkt komplexe gesellschaftliche Spannungen. So führt bspw. die Parallelität transnationaler Kooperation und Konkurrenz zu ambivalenten Beziehungen zwischen Nationalstaaten. Ebenfalls ambivalent gestaltet sich die Rolle nationaler Zugehörigkeiten: Einerseits wird die nationale Kategorie in der Kooperation hervorgehoben, indem interkulturelle Verständigungsprobleme als Erklärung für Konflikte innerhalb einer Gesellschaft herangezogen werden (vgl. Schimank 2005). Andererseits bewegen sich die Weltbürger*innen in einer Gemeinschaft, die unabhängig von den als regional beschriebenen Kulturen ist (vgl. Stichweh 2009). Die Weltgesellschaft steht in der Spannung zwischen der Suche nach partiellen Zugehörigkeitsidentitäten und einer kosmopolitischen Ideologie. Angesichts dieser Paradoxie nimmt das Dissertationsprojekt interkulturelle Trainings als Forschungsgegenstand und untersucht die Umgangsweisen der Teilnehmenden mit den antizipierten Konflikten im globalen Kontext. Interkulturelle Trainings zielen auf die Vermeidung des Ins-Fettnäpfchen-Tretens ab. Dabei werden aber der fremden Kultur fast zwangsläufig stereotypisierte Eigenschaften zugeschrieben, um die 'Fettnäpfchensfalle' in einer kontrastiven Weise zu konkretisieren. Dies impliziert die Unvereinbarkeit der durch kulturelle Differenzen erzeugten Gegenüberstellungen. Dabei zeigt sich in der Beobachtung, dass die Teilnehmenden nach plausiblen Handlungsanweisungen streben, an denen sie ihr Verhalten orientieren können. Dennoch stoßen die Teilnehmenden immer wieder auf Schwierigkeiten: Zum einen fungieren territoriale Grenzen weiterhin als Orientierungsrahmen für gesellschaftliche Normen. Zum anderen bringen Leitende, aber auch Teilnehmende stetig die Relation sozialer Rollen zur Sprache, sodass individuelle und situierte Positionierungen jenseits kollektiver Zugehörigkeiten in den Vordergrund rücken. Daraus ergibt sich ein Ringen um die Deutungshoheit sozialer Ordnungen. Das Projekt geht der Frage nach, inwiefern es möglich ist, die sozialen Ordnungsvorstellungen in der angestrebten Weltgesellschaft durch Aushandlungsprozesse zu transformieren, und wie sich dies in interkulturellen Trainings in actu vollzieht. Im Beitrag sollen die Konstellationen in Trainings sowie die bis dato analysierten Ergebnisse vorgestellt und hinsichtlich der Potentialität der Umordnung diskutiert werden.



Bürgerliche Sorgen zwischen sozialen Ängsten und rassistischen Ressentiments: Eine computergestützte kritische Diskursanalyse von Hass- und Gegenrede auf Facebook

Cornelia Fedtke

Universität Hamburg, Deutschland

Soziale Medien nehmen für den gesellschaftlichen Diskurs seit Jahren an Bedeutung zu. Die Menschen konsumieren darüber Nachrichten und tauschen sich in den Kommentarspalten über ihre Meinungen zu aktuellen Themen aus. Auch die starke Polarisierung der Gesellschaft im Zuge der Flüchtlingspolitik seit 2015 wurde in sozialen Netzwerken deutlich sichtbar. Denn in den Kommentarspalten treffen Menschen aufeinander die ansonsten nicht miteinander in Kontakt kämen. Hier kommt es zu Konfrontationen mit Meinungen, die im Alltag kaum herausgefordert werden. Regelmäßig münden diese Konversationen in Beleidigung und Hassrede (HR) auf die bisweilen mit Gegenrede (GR), die für eine möglichst diskriminierungsfreie Gesellschaft eintritt, reagiert wird. In diesen Debatten geht es um nicht weniger als das Erstreiten von Deutungsmacht und die Legitimation der eigenen Positionen in der Gesellschaft (Kreißel et al. 2018).

So erstreckt sich ein weites Spannungsfeld an Positionen von BefürworterInnen und GegnerInnen der Migrations- und Flüchtlingspolitik. Beiträgen von „besorgten BürgerInnen“ wird in GR häufig ein rassistisches Ressentiment vorgeworfen, wodurch die geäußerten Sorgen als unberechtigt erscheinen. Insbesondere das Themenfeld Arbeits- und Sozialpolitik geht im Zusammenhang mit der „Willkommenskultur“ in Deutschland mit einem hohen Anteil an HR einher. Eine Analyse des Diskurses zur Arbeits- und Sozialpolitik kann die Vielschichtigkeit der Argumente und Narrative aufzeigen. Dazu stellen sich folgende Fragen: Wieviel legitime Kritik und wieviel diskriminierende Ressentiments liegen HR zugrunde? Welche Identitäten der Kommentierenden werden sichtbar? Welche Narrative werden aufgegriffen? Was für argumentative Strategien werden in HR und GR verwendet? Und nicht zuletzt, ist GR dazu fähig legitime Sozialkritik von rassistischen Ressentiments zu unterscheiden?

Um diese Fragen zu beantworten wird der Vortrag die Ergebnisse einer Diskursanalyse auf einem Korpus von 360.000 Facebook-Kommentaren aus dem Jahr 2017 zum Thema „Flucht und Migration“ vorstellen. Das Korpus wird anhand einer Kombination aus computergestützten Verfahren (Topic Modeling, Textklassifikation, Kookkurrenzanalyse) thematisch vorgefiltert und anschließend mit einer qualitativen Analyse untersucht (Fedtke & Wiedemann 2020). Das Vorgehen orientiert sich an der kritischen Diskursanalyse nach Jäger (2004).



Werte als Prädiktoren von Zugehörigkeitsgefühlen und Integration von Geflüchteten

Lukas Marian Fuchs

Freie Universität Berlin, Deutschland

"Was ist eigentlich der Kitt - der Kitt, der unsere Gesellschaft im Kern zusammenhält?“ –dieser Beitrag setzt sich mit Steinmeiers Frage vor dem Hintergrund der Integration von Geflüchteten auseinander, die kürzlich nach Deutschland gekommen sind. Bestehende Studien legen nahe, dass sich dieser gesellschaftsverbindende Kitt nicht nur aus Wissen und Kompetenzen, sondern ebenso aus Werten, Zugehörigkeitsgefühlen und Emotionen zusammensetzt. In dieser Hinsicht werden insbesondere Werte als Voraussetzungen für eine gelingende Integration von Migranten und Geflüchteten bemüht. Aus soziologischer Sicht, lässt sich diese Vermutung von zwei Argumentationslinien stützen: Einerseits könnte erwartet werden, dass ein Wertekonsens, sprich gemeinsame Werte zwischen Flüchtlingen und Mitgliedern der aufnehmenden Gesellschaft, Zugehörigkeitsgefühle fördert. In der Akkulturationsforschung wird dies unter dem Konzept der kulturellen Nähe (oder Distanz) diskutiert. Somit wäre ein Konsens der Werte mit sozialer Integration und Willkommensgefühlen unter Flüchtlingen verbunden, während Wertedistanz zu Isolation und Gefühlen von Fremdheit führte (Konsenshypothese). Andererseits könnte man argumentieren, dass Werte Teil des kulturellen und sozialen Kapitals von Migranten sind und dass liberale und kosmopolitische Werte das Ankommen in einer neuen Umgebung erleichtern und generelle Gefühle des Willkommenseins erregen, unabhängig davon, ob sie mit der aufnehmenden Gesellschaft geteilt werden (Unabhängigkeitshypothese). Der vorliegende Beitrag untersucht beide Hypothesen anhand von Daten des IAB-BAMFSOEP Surveys, einer Panel-Umfrage unter Flüchtlingen in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen, dass beide Hypothesen mit Blick auf verschiedene Dimensionen von Zugehörigkeitsgefühlen und unterschiedliche Wertedimensionen gelten: Individuelle gesellschaftlich liberale Werte beeinflussen das Willkommensgefühl in einem neuen Umfeld, während Wertekonsens die Entstehung sozialer Bindungen befördert.



 
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