Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Session
SekWuT1: Sektion Wissenschafts- und Techniksoziologie - Der Zusammenhang von Organisation und Produktion wissenschaftlichen Wissens. Zur Neukonfiguration des Verhältnisses zwischen Hochschule und Wissenschaft
Zeit:
Dienstag, 25.09.2018:
14:15 - 17:00

Chair der Sitzung: Roland Bloch
Chair der Sitzung: Martina Franzen
Chair der Sitzung: Julian Hamann
Chair der Sitzung: David Kaldewey
Chair der Sitzung: Anna Kosmützky
Ort: VG 3.103
Sitzplätze: 56 Weitere Informationen finden unter folgenden webadressen: Ausstattung: https://ecampus.uni-goettingen.de/sb/rds?state=verpublish&status=init&vmfile=no&moduleCall=webInfo&publishConfFile=webInfoRaum&publishSubDir=raum&keep=y&raum.rgid=5796 Barrierefreiheit: https://www.uni-goettingen.de/de/raumglossar/474082.html#ZHG:%20Zentrales%20H%C3%B6rsaalgeb%C3%A4ude
Chair der Sitzung: Anne Krüger (Humboldt-Universität zu Berlin)

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Präsentationen

Wettbewerbsakteure

Georg Krücken

Universität Kassel, Deutschland

Der Wettbewerb als Medium der Fremd- und Selbststeuerung in Hochschule und Wissen-schaft wird in der soziologischen Hochschul- und Wissenschaftsforschung umfassend reflek-tiert. Allerdings konzentriert sich die Wissenschaftssoziologie vor allem auf die individuelle und systemische Ebene, während die soziologische Hochschulforschung insbesondere die Organisationsebene im Blick hat. Eine Möglichkeit der Verknüpfung dieser Ebenen besteht darin, dass man die Konstitution von individuellen und organisationalen Wettbewerbsakteuren genauer betrachtet (Krücken 2017). Diese Akteure werden in den meisten Analysen zwar als nicht weiter problematisierte Einheiten vorausgesetzt. Demgegenüber sollen sie in diesem Vortrag nicht als ontologisch gegeben, sondern als sozial konstituiert verstanden werden. Wettbewerb erfordert vergleichbare Akteure, die sich als im Wettbewerb stehend wahr-nehmen und sich entsprechend verhalten. Aktuell, so die im Vortrag zu entfaltende These, werden diese Konstitutionsprozesse durch den Staat, interne Dynamiken des Wissen-schaftssystems und die Hochschulorganisationen vorangetrieben.

Mit der Fokussierung auf das Ineinandergreifen der Konstitution individueller und organisati-onaler Wettbewerbsakteure im Akademischen werden zwei für die Sektionsveranstaltung relevante und übergreifende Ziele verfolgt. Erstens kann hierüber eine Klammer zwischen aktuellen, aber auch klassischen soziologischen Beiträgen zur Hochschul- und zur Wissen-schaftsforschung hergestellt werden, die der konzeptionellen Integration beider Forschungs-gebiete dient. Zweitens ist die Diskussion im Rahmen aktueller Beiträge zur umfassenden Gesellschaftsanalyse zu sehen, in denen die Rolle der Metrisierung (Mau 2017) und die Tendenz zur Singularisierung (Reckwitz 2017) als Kennzeichen der Gegenwartsgesellschaft hervorgehoben werden.

Literatur:

Krücken, Georg (2017): Die Transformation von Universitäten in Wettbewerbsakteure. In: Beiträge zur Hochschulforschung, Jg. 39, Heft 3-4: 10-29.

Mau, Steffen (2017): Das metrische Wir. Über die Quantifizierung des Sozialen. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

Reckwitz, Andreas (2017): Die Gesellschaft der Singularitäten. Zum Strukturwandel der Mo-derne. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.


Das Verhältnis zwischen Hochschule und Wissenschaft in Deutschland im globalen Kontext: Expansion – Produktion – Kooperation

Jennifer Dusdal1, Achim Oberg2, Justin J.W. Powell1

1Universität Luxemburg, Luxemburg; 2Universität Mannheim, Deutschland

Welchen Einfluss haben die Hochschulentwicklung und wissenschaftliche Kapazitätsbildung auf die wissenschaftliche Wissensproduktion in Deutschland?Institutionalisierte Strukturen (verschiedene Organisationsformen) haben die langfristige Entwicklung wissenschaftlicher Produktivität beeinflusst und verändert. In welchen organisationalen Netzwerken entwickelt sich die Wissenschaft weiter? Die Makroebene wird anhand der Indikatoren zur Erfassung der globalen Expansion, Kooperation und Produktion der Wissenschaft untersucht. Die Mesoebene betrachtet das Zusammenspiel von Organisationsformen mittels netzwerkanalytischer Verfahren. Wir identifizieren Orte und institutionelle Settings wissenschaftlicher Produktion anhand ihrer Aufgaben und Ziele sowie ihrer Beziehungen zueinander. Theoretisch werden neo-institutionalistische Ansätze sowie das Konzept der Mode 1 versus Mode 2 Wissenschaft diskutiert, um die Transformation der Wissensproduktion im Zeitverlauf zu analysieren und um zu erforschen, welche Organisationsformen an der Wissensproduktion beteiligt sind. Grundlage der Analyse bilden Publikationen in peer reviewed Zeitschriften. Die Datenbank (von Thomson Reuters’ Web of Science SCIE rekodiert) erfasst die Konstellation wissenschaftsproduzierender Organisationen und -formen. Untersucht werden Artikel aus den Fächergruppen Mathematik, Ingenieur-, Natur-, Technikwissenschaften sowie Medizin von 1900 bis 2010. Die quantitative Vermessung der Wissenschaft erlaubt es, das Wachstum wissenschaftlicher Produktion auf globaler Ebene sowie die stärkere Internationalisierung und Vernetzung der Wissenschaftler in Deutschland nachzuzeichnen. So lässt sich ein pures exponentielles Wachstum wissenschaftlicher Produktivität weltweit, in Europa und in Deutschland beobachten. Obwohl sich Organisationsformen in Deutschland weiter ausdifferenzieren, bleibt die Bedeutung der Universitäten als wichtigste Organisationsform der Wissenschaft auch im Zeitverlauf stabil. Seit den 1990er Jahren steigen die Zahlen für internationale Kooperationen zwischen Organisationen in der Wissenschaft, ohne dass ein Ende des Anstiegs bisher absehbar wäre.


Universitäre Elitebildung in Deutschland? Eine disziplinbezogene Re-Perspektivierung am Beispiel der Betriebswirtschaftslehre

Alexander Mitterle

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Deutschland

Die Frage nach der Elitebildung im deutschen Hochschulwesen ist vergleichsweise neu. In Deutschland hielt sich bis weit in die 2000er Jahre die Vorstellung einer „ständische Gleichheitsfiktion“ (Reinhard Kreckel) zwischen Hochschulen gleichen Typs. Statt eines hervorgehobenen Status einzelner Universitäten, galt die Kopplung zwischen Disziplin (Expertentum) und Stellenposition als prägend für den beruflichen Erfolg. Mit den Studien- und Organisationsreformen der frühen 2000er Jahre hat sich das Hochschulwesen grundlegend verändert. Vertikale Differenzen zwischen Studiengängen werden nun deutlicher sichtbar. Bislang sind diese aber entweder zuschreibend ("Elitenetzwerk Bayern") oder über den Zusammenhang von ökonomischem oder Bildungshintergrund und verorteten Hochschulen geprüft worden. Disziplinspezfische Prozesse spielten dabei eine geringere Rolle.

Der Beitrag sucht diese Perspektive zu erweitern. Am Beispiel von Studiengängen in der Betriebswirtschaftslehre (BWL) werden Prozesse einer entstehenden Elitebildung im deutschen Hochschulwesen über Veränderungen im Wechselverhältnis zwischen der Aneignung wissenschaftlichen Wissens im Studium, den Organisationsstrukturen der Hochschule und deren Bezugnahme zum Arbeitsmarkt untersucht. Bei der BWL handelt es sich nicht nur um das Fach mit den meisten Studierenden, sondern auch um eines, das von den Veränderungen im Hochschulwesen am stärksten betroffen ist. Explorativ werden anhand einer Fallstudie an einer privaten Business School sowohl die kognitiven disziplininhärenten Aspekte einer fachwissenschaftlichen Ausbildung zur Führungskraft als auch besondere organisationale Merkmale (z.B. Career Service) zur Karriereentwicklung rekonstruiert. Die Ergebnisse werden dann mit Blick auf eine organisationsbezogene Elitebildung durch feldanalytische Erhebungen eingeordnet und durch zwei Fallstudien an staatlichen Hochschulen kontrastiert. Grundlage sind 55 Interviews mit Studierenden, Professoren und Hochschuladministration sowie teilnehmende Beobachtungen studiengangsbezogener Veranstaltungen.


Wie Gutachter/innen für den Europäischen Forschungsrat (ERC) den Begriff der Exzellenz im Rahmen der Bewertung von Nachwuchswissenschaftler/innen interpretieren und verhandeln.

Kay Felder, Ruth Müller

Technische Universität München, Deutschland

Der Europäische Forschungsrat wird oft als wichtigste und einflussreichste Förderungsorganisation in Europa bezeichnet. Der Erhalt eines ERC Grants gilt heute als Zeichen für akademische Exzellenz und kann großen Einfluss auf den Karriereverlauf von Wissenschaftler/innen nehmen. Die ERC Begutachtungsverfahren werden auch als eine Art „Goldstandard“ für die Organisation von Begutachtungsprozessen betrachtet und werden als Modell für die Umstrukturierung von Begutachtungsverfahren anderer Forschungsförderer herangezogen. Gleichzeitig spiegeln sich auch in den ERC-Verfahren traditionelle Schwächen der Peer-Review Begutachtung wider: Die jährlichen Auswertungen der Vergabestatistiken zeigen auch beim ERC Verzerrungen in Bezug auf Geschlechter- und Nationalitätenverteilung.

Vor diesem Hintergrund analysieren wir wie und woran Gutachter/innen wissenschaftliche Exzellenz festmachen. Wir fokussieren auf Panelmitglieder, die innerhalb der ERC Förderschienen für Nachwuchswissenschaftler/innen (ERC Starting und Consolidator Grants, Forscher/innen) bewerten. Basierend auf qualitativen Interviews mit Panel-Mitgliedern in den Förderbereichen Life Sciences, Physical Sciences and Engineering und Social Sciences and Humanities zeichnen wir nach, wie Zuschreibungen von Exzellenz oder Nicht-Exzellenz an bestimmte Forscher/innen, deren Anträge und deren Lebensläufe erfolgen. Die Studie wählt einen explizit akteurszentrierten Zugang der Begutachtungspraktiken als soziale Prozesse versteht, in denen Gutachter/innen nicht einfach bestehende Vorstellungen von Exzellenz anwenden, sondern im spezifischen Setting der ERC Begutachtung situiert generieren. Neben den Verhandlungen darüber wer ein/e exzellente Wissenschaftler/in ist, müssen Gutachter/innen im Rahmen der Begutachtung aushandeln, was ihre eigene Rolle als Gutachter/innen ist und was sinnvolle Maßstäbe und Praxen des Begutachtens sind. Die Frage was exzellente Lebensläufe oder Projekte ausmacht ist verbunden mit Verhandlungen darüber was als gute Form der Bewertung gelten kann und wie gute Bewertung durchgeführt werden kann. Die Frage nach der ‚guten Bewertung‘ spiegelt breitere forschungsethische und -politische Unsicherheiten und Bedenken darüber wider, wie die gegenwärtige wettbewerbsförmige Forschungsförderung die wissenschaftliche Landschaft und Gemeinschaft und deren zukünftige Entwicklungen formt und formen soll.



 
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