Veranstaltungsprogramm

Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Tagung.
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Sitzungsübersicht
Session
SekSUuS2: Sektion Soziale Ungleichheit und Sozialstrukturanalyse - Aktuelle Forschungsprojekte zu Sozialstruktur und sozialer Ungleichheit
Zeit:
Dienstag, 25.09.2018:
14:15 - 17:00

Chair der Sitzung: Corinna Kleinert
Chair der Sitzung: Johannes Giesecke
Ort: ZHG 105
Sitzplätze: 230 Weitere Informationen finden unter folgenden webadressen: Ausstattung: https://ecampus.uni-goettingen.de/sb/rds?state=verpublish&status=init&vmfile=no&moduleCall=webInfo&publishConfFile=webInfoRaum&publishSubDir=raum&keep=y&raum.rgid=820 Barrierefreiheit: https://www.uni-goettingen.de/de/raumglossar/474082.html#ZHG:%20Zentrales%20H%C3%B6rsaalgeb%C3%A4ude

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Präsentationen

Über das scheinbare Paradoxon der Zugehörigkeit zur gesellschaftlichen Mitte. Eine quantitative und qualitative Analyse der subjektiven sozialen Position der ÖsterreicherInnen. 1993 - 2016.

Anja Eder, Markus Hadler, Markus Schweighart

Karl-Franzens-Universität Graz, Österreich

OECD-Berichten zufolge ist in Österreich insbesondere der Reichtum in einigen wenigen Händen konzentriert, während die Ungleichverteilung der laufenden Einkommen durch die weitreichende staatliche Umverteilung im Zaum gehalten wird. Betrachtungen im Zeitverlauf machen deutlich, dass sowohl die Einkommens- als auch Vermögensungleichheit gestiegen und gleichzeitig die Realeinkommen einiger Bevölkerungsgruppen und die Bildungserträge gesunken sind.

Mit Blick auf die Reflexionsthese würde man nun annehmen, dass sich derartige Entwicklungen in den subjektiven Einschätzungen der eigenen sozialen Position der ÖsterreicherInnen widerspiegeln. Paradoxerweise zeigen Umfragedaten aber, dass sich die überwiegende Mehrheit der ÖsterreicherInnen der oberen gesellschaftlichen Hälfte zugehörig fühlt und diese Selbsteinschätzung im Lauf der 2000er Jahre sogar zugenommen hat. In unserem Beitrag versuchen wir dieses Paradoxon zu entschlüsseln.

Wir präsentieren neue Befunde zum Zusammenhang zwischen subjektiver sozialer Position und sozialstrukturellen Einflüssen, die wir anhand von quantitativen Analysen repräsentativer Umfragedaten des ISSP (International Social Survey Programme) und SSÖ (Sozialen Survey Österreich) durchgeführt haben. In einem zweiten Schritt ergänzen wir unsere quantitativen Analysen mit einer von den AutorInnen durchgeführten und koordinierten Probing Studie (n=49), deren Ergebnisse darüber Aufschluss geben, wie die Antworten auf die standardisierte Messung der subjektiven sozialen Position zu Stande kommen.

Unsere Befunde machen deutlich, dass klassische Schichtungsmerkmale zwar für die Einschätzungen der sozialen Position relevant sind, aber auch, dass die Berücksichtigung vielfältiger und horizontaler Merkmale (Lebensstile) eine entscheidende Rolle spielen. Darüber hinaus wirken statusspezifische Auf- und Abwertungsprozesse auf die subjektive soziale Position, die es in zukünftigen Forschungsarbeiten stärker in den Blick zu nehmen gilt.


Neue Ungleichheiten im öffentlichen Sektor: Wie haben die Reformen öffentlicher Organisationen die wahrgenommene Arbeitsbelastung und Jobsicherheit von Beschäftigten verändert?

Carsten Sauer1, Peter Valet2

1Radboud University Nijmegen; 2Universität Bamberg

In den letzten 20 Jahren hat sich der öffentliche Sektor grundlegend gewandelt. Im Zuge von Sparpolitik und Globalisierung wurden Instrumente und Mechanismen entwickelt, die zum Ziel haben, die Effizienz und Effektivität öffentlicher (Dienst-)Leistungen zu steigern. Diese Entwicklungen umfassen sowohl Veränderungen in der Führung von Mitarbeitern und Umstrukturierungen der Organisation von Arbeit (New Public Management, New Governance) als auch neue Kooperationen aus öffentlichen und privaten Betrieben. In der Folge sind in öffentlichen Betrieben Einstellungsstopps und Vakanzen festzustellen, die mit Anstiegen von Teilzeit- und befristeter Beschäftigung, sowie erhöhten Überstundenzahlen einhergehen. Der Staat, noch in den 1980er Jahren als „Modellarbeitgeber“ bezeichnet, ist spätestens seit dieser Entwicklung für wachsende Ungleichheiten in öffentlichen Betrieben verantwortlich, da sowohl in Bezug auf Arbeitsplatzsicherheit als auch auf Erwerbseinkommen beträchtliche Unterschiede zwischen den neuen „atypisch“ Beschäftigten und den „normal“ Beschäftigten entstanden sind.

Die hier eingenommene soziologische Perspektive interessiert sich dafür, welche Auswirkungen die Reformen auf die Beschäftigten im öffentlichen Dienst haben. Bislang existieren kaum Studien zu diesem Thema. Einige Fallstudien aus den USA und Großbritannien deuten jedoch darauf hin, dass nicht alle Beschäftigten im öffentlichen Sektor im gleichen Ausmaß betroffen sind. Das Ziel unserer Studie ist demnach zu bestimmen, wie sich unterschiedliche Facetten der Arbeitsqualität (insbesondere Arbeitsbelastung und Arbeitsplatzsicherheit) im öffentlichen Dienst durch die Reformen generell verändert haben und inwieweit Unterschiede im Ländervergleich zu beobachten sind. Da die Reformen in Europa teils sehr viel später als in den USA eingeführt wurden, lässt sich durch den internationalen Vergleich ableiten, wie sich die Arbeitsqualität im öffentlichen Dienst in Deutschland und Europa zukünftig entwickeln könnte.

Der Beitrag stellt zunächst die Trends im internationalen Vergleich dar und sucht dann die Erklärungen für Unterschiede in der Wahrnehmung von Arbeitsbelastung und Jobsicherheit zwischen Beschäftigten im öffentlichen Dienst in den betrachteten Ländern und Berufsgruppen.


Intergenerationale Weitergabe von Armut in Familien mit Migrationshintergrund

Janina Zölch

Universität Hamburg, Deutschland

Das Aufwachsen in einer von Armut betroffenen Familie erhöht das Risiko der Kindergeneration, später selbst arm zu sein. Dabei liegt die Armutsgefährdungsquote von Personen mit Migrationshintergrund mehr als doppelt so hoch wie die derjenigen ohne einen solchen. Als Armutsursachen werden zumeist Merkmale angeführt, die auch das Armutsrisiko der autochthonen Bevölkerung bestimmen. Aktuelle Forschung zeigt, dass die Armutserfahrung im Kindesalter bei Menschen mit Migrationshintergrund einen stärkeren und auch eigenständigen Effekt auf das Armutsrisiko als Erwachsener ausübt. Es stellt sich daher die Frage, wie familiale Lebenslagen und Beziehungen sowie an sie gekoppelte Orientierungsmuster zu einer intergenerationalen Weitergabe von Armut beitragen oder diese durchbrechen und welchen Einfluss der Migrationshintergrund darauf ausübt.

Um das Zusammenwirken der beiden Ungleichheitsdimensionen differenziert in den Blick nehmen zu können, wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt. Es werden narrative Interviews (Schütze) mit sechzehn erwachsenen Personen geführt, die in Armut aufgewachsen sind sowie mit jeweils einem Elternteil, um die intergenerationalen Prozesse erfassen zu können. Die Interviews werden einzeln mit der ‚biographischen Fallrekonstruktion‘ (Rosenthal) ausgewertet und im Anschluss auf verschiedenen Ebenen miteinander in Bezug gesetzt. In den Erzählungen kommen die armuts- und migrationsspezifischen Erlebnisse und Erfahrungen in ihrer lebensgeschichtlichen Einbettung sowie ihrem Zusammenwirken sowohl miteinander als auch in Wechselwirkung mit weiteren Dimensionen sozialer Ungleichheit zum Ausdruck. Zudem werden Familien mit und ohne Migrationsgeschichte miteinander verglichen. Dies minimiert u.a. die Gefahr, Auswirkungen weiterer Ungleichheitsdimensionen wie bspw. Geschlecht unreflektiert nur auf den Migrationshintergrund zurückzuführen.

In meinem Beitrag möchte ich das methodische Vorgehen nachzeichnen und anhand von Fallbeispielen aus dem laufenden DFG-Projekt „Armut über Generationen“ (Universität Hamburg, Professur Böhnke, 2017-2019) erste Ergebnisse zur intergenerationalen Weitergabe von Armut in Familien mit Migrationshintergrund präsentieren.


Soziale Ungleichheiten zwischen Schule, Studium und Promotionsintention: Leistungsunterschiede, Entscheidungsprozesse oder Pfadabhängigkeiten?

Markus Lörz1, Björn Seipelt2

1Friedrich-Schiller-Universität Jena; 2Leibniz Universität Hannover, Deutschland

Im Zuge der Bologna Reform haben sich die Wege im Hochschulbereich grundlegend verändert. Zudem wurden mit strukturierten Promotionsprogrammen und dem Promotionsrecht an Fachhochschulen die formalen Hürden der Promotionsaufnahme abgebaut. Der Anteil promovierter Hochschulabsolventinnen und -absolventen ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen. Trotz verbesserter Zugangswege bestehen weiterhin herkunftsspezifische Ungleichheiten bei der Promotionsaufnahme (De Vogel 2017), die im Zeitverlauf sogar zugenommen haben (Jaksztat & Lörz 2018). Hinsichtlich der Frage, warum soziale Ungleichheiten beim Promotionszugang bestehen, ist die Rolle bildungsbiographischer Unterschiede bisher noch unklar. Zudem stellt sich die Frage, inwiefern diese Bildungswege das Resultat unterschiedlicher Leistungen oder unterschiedlicher Motivlagen sind und wie sich die gewählte Hochschulart auf die Promotionsintention auswirkt.

Hier setzt der vorliegende Beitrag an und beschäftigt sich mit der Frage, warum Kinder aus weniger privilegierten Familien im Laufe ihres Bildungsweges seltener eine Promotionsintention ausbilden und welche Rolle kulturelle Rahmenbedingungen im Elternhaus sowie vorgelagerte Bildungsentscheidungen und daraus resultierende Pfadabhängigkeiten spielen. Die Untersuchung basiert auf mehreren Theoriesträngen: Rationale Entscheidungstheorie (Boudon 1974), Kulturelle Reproduktionstheorie (Bourdieu 1982) und Lebensverlaufsperspektive (Elder et al. 2003). Die theoretischen Erwartungen werden anhand der dritten Welle des Studienberechtigtenpanels 2010 (2015) überprüft. Die Ergebnisse zeigen, dass die Promotionsintention der Kinder mit mindestens einem promovierten Elternteil 24 Prozentpunkte signifikant höher ausfällt als bei Studierenden ohne akademischen Familienhintergrund. Mittels logistischer Regressionsanalysen und einer KHB-Effektzerlegung lässt sich zeigen, dass der Großteil der Herkunftsunterschiede über die einbezogenen Einflussgrößen erklärbar ist. Kulturelle Rahmenbedingungen im Elternhaus und bildungsbiographische Weichenstellungen liefern dabei einen wichtigen Erklärungsbeitrag bezüglich der Entstehung sozialer Ungleichheiten. Herkunftsspezifische Unterschiede in der Ausbildung einer Promotionsintention resultieren somit überwiegend aus Unterschieden, die sich auf vorgelagerte kulturelle und bildungsbiographische Faktoren beziehen.


Meritokratieglauben und Ungleichheitstoleranz: Kulturelle Repertoires in vier Ländern

Jan-Ocko Heuer, Thomas Lux, Steffen Mau, Katharina Zimmermann

Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland

In modernen Gesellschaften spielt das Leistungsprinzip eine zentrale Rolle für die Legitimation sozialer Ungleichheiten. Durch eine zunehmende Entkoppelung von „Leistung“ und materiellem „Verdienst“ scheinen jedoch die Zweifel an der Geltung des Leistungsprinzips zuzunehmen. In unserem Vortrag zeigen wir, dass Meritokratie zwar ein gesellschaftlich weit akzeptiertes Prinzip ist, doch – je nach Kontext – recht unterschiedlich gerahmt und verstanden wird. Hauptaugenmerk liegt darauf, wie der zu Grunde liegende Leistungsbegriff konstruiert wird. Dabei betrachten wir diese Aspekte nicht nur aus quantitativer und qualitativer Perspektive, wir beziehen auch Befragte aus vier sehr unterschiedlichen Ländern ein: Deutschland, Großbritannien, Norwegen und Slowenien. Grundannahme ist dabei, dass sich länderspezifische kulturelle Repertoires aufdecken lassen, die das Zusammenspiel von meritokratischer Verteilungsnorm und Ungleichheitslegitimation (bzw. -kritik) bestimmen. In unserem Vortrag präsentieren wir zunächst unsere konzeptionelle Rahmung, für die wir auf die Forschungen zur Moralökonomie und zu kulturellen Repertoires der Legitimation bzw. Kritik von Ungleichheit zurückgreifen. Aufbauend hierauf präsentieren wir quantitative Ergebnisse aus der jüngsten Runde des European Social Survey (ESS 2016). Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die vier Länder hinsichtlich der Einstellungen zum Leistungsprinzip deutlich unterscheiden. Anschließend untersuchen wir qualitativ, welche Argumentationen und Begründungsmuster hinter den unterschiedlichen Einstellungen zu Meritokratie stecken. Dazu haben wir im Rahmen des NORFACE-WelfSOC-Projektes jeweils 35-40 Bürger*innen in den vier Ländern eingeladen, im Rahmen eines „Demokratischen Forums“ über Ungleichheit und Sozialpolitik zu diskutieren. Den Teilnehmenden wurden in einer Vorab-Befragung ebenfalls Fragen aus dem ESS vorgelegt, sodass wir gezielt untersuchen können, welcher moralischen und kulturellen Repertoires sich (unterschiedliche Gruppen von) Bürger*innen bei der Beurteilung des meritokratischen Prinzips bedienen. In der Zusammenschau der quantitativen und qualitativen Ergebnisse zeigt sich, dass sich die Länder nicht nur hinsichtlich ihrer generellen Zustimmung zum Leistungsprinzip und ihrer Beurteilung der praktischen Realisierung dieses Prinzips unterscheiden, sondern auch hinsichtlich der Begründungen.



 
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