Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Session
SekSUuS1: Sektion Soziale Ungleichheit und Sozialstrukturanalyse - Komplexe Ungleichheiten
Zeit:
Mittwoch, 26.09.2018:
9:00 - 11:45

Chair der Sitzung: Petra Böhnke
Chair der Sitzung: Dirk Konietzka
Ort: ZHG 007
Sitzplätze: 170 Weitere Informationen finden unter folgenden webadressen: Ausstattung: https://ecampus.uni-goettingen.de/sb/rds?state=verpublish&status=init&vmfile=no&moduleCall=webInfo&publishConfFile=webInfoRaum&publishSubDir=raum&keep=y&raum.rgid=811 Barrierefreiheit: https://www.uni-goettingen.de/de/raumglossar/474082.html#ZHG:%20Zentrales%20H%C3%B6rsaalgeb%C3%A4ude

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Präsentationen

Komplexe Ungleichheit? Zusammenspiel und Divergenzen der Vermögens- und Einkommensungleichheit im internationalen Vergleich

Fabian Pfeffer2, Nora Waitkus1

1Universität Bremen, Deutschland; 2Michigan, USA

In der vergleichenden Soziologie sind Einkommensungleichheiten und ihre institutionellen Determinanten relativ gut erforscht. Im Gegensatz dazu gibt es keinen kohärenten Rahmen, um länderübergreifende Unterschiede in der Vermögensungleichheit zu erklären. Dies wäre nur dann unproblematisch, wenn Vermögens und Einkommensungleichheiten zwischen den Ländern zusammenfallen würden, was jedoch nicht immer der Fall ist. Tatsächlich scheinen Einkommen und Vermögen weitgehend unabhängige Ungleichheitsdimensionen zu sein.

In unserem Beitrag werden wir diesen Befund weiter untersuchen und den Zusammenhang (oder das Fehlen davon) zwischen dem Niveau der Einkommensungleichheit sowie der Vermögensungleichheit sorgfältig dokumentieren. Wir verwenden Daten für 15 Länder aus 7 Wellen der Luxemburg Wealth Study (LWS). Wir ziehen verschiedenste Maße der Einkommens- und Vermögensungleichheit sowie der Konzentration heran, um uns diesem (Nicht-)Zusammenhang zu nähern. So zeichnen sich einige Länder, wie Schweden und Norwegen, durch eine besonders große Diskrepanz zwischen den beiden Dimensionen aus, da sie von einer besonders geringen Einkommensungleichheit und einer besonders hohen Vermögensungleichheit gekennzeichnet sind. Im Gegensatz dazu sind die Vereinigten Staaten eines der Länder, in denen Ungleichheiten in beiden Dimensionen zusammenfallen, nämlich sehr hohe Einkommensunterschiede auf sehr hohe Vermögensungleichheiten treffen.

In einem zweiten Schritt widmen wir uns den institutionellen Treibern der Vermögensungleichheit. Ziel ist es dabei nicht nur, diese zu identifizieren, sondern diese Identifizierung auch als einen ersten Schritt zu verstehen, einen theoretischen Rahmen für die vergleichende Untersuchung von Vermögensungleichheiten zu entwickeln. Weitere Analysen zeigen, dass die institutionellen Determinanten zur Erklärung von Einkommensungleichheiten weitestgehend unwirksam sind, um Vermögensungleichheit im Ländervergleich zu erklären. Um das komplexe (Nicht-) Zusammenspiel von Einkommens- und Vermögensungleichheiten besser zu verstehen, richten wir unser Augenmerk auf weniger untersuchte institutionelle Merkmale, wie z. B. Housing Regimes, Pensionssysteme und Modi der Kreditvergabe.


Der Einfluss individueller Tätigkeitsprofile auf die geschlechtliche Lohnlücke im Kontext beruflicher Geschlechtersegregation

Ann-Christin Bächmann1, Corinna Kleinert1, Kathrin Leuze2, Kai Rompczyk2

1Leibniz Institut für Bildungsverläufe (LIfBi), Deutschland; 2Friedrich-Schiller-Universität Jena, Deutschland

Trotz der zunehmenden Annäherung von Männern und Frauen hinsichtlich ihrer Bildungs- und Erwerbsbeteiligung über die vergangenen Jahrzehnte zeigen sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt weiterhin persistente Geschlechterungleichheiten, insbesondere eine ausgeprägte geschlechtliche Lohnlücke. Dabei stellt der Gender Wage Gap einen Kristallisationspunkt kumulierter Ungleichheiten dar, der unter anderem auf die Berufsstruktur und die dort beständige Geschlechtersegregation zurückzuführen ist (vgl. Achatz et al. 2005, Hinz & Gartner 2005). Nach wie vor unklar ist allerdings, weshalb Frauenberufe mit einer geringeren Entlohnung einhergehen.

Zur Erklärung dieses Zusammenhangs werden in der neueren Forschung zunehmend Tätigkeitsinhalte der Arbeit herangezogen (z.B. Liebeskind 2004, Busch 2013). Deren Einfluss auf die geschlechtlichen Lohndifferenzen konnte vor allem zwischen verschiedenen Berufen und im zeitlichen Wandel bestätigt werden (z.B. Black & Spitz-Oener 2010). Erste Evidenzen legen ferner nahe, dass geschlechtsspezifische Tätigkeitsprofile ebenso monetäre Unterschiede zwischen Männern und Frauen innerhalb von Berufen erklären können (Bizopoulou 2016). In diesem Beitrag bringen wir erstmals beide Perspektiven zusammen und fragen, inwiefern sich die geschlechtliche Lohnlücke zwischen und innerhalb von Berufen durch individuelle task-Profile erklären lässt.

Im Gegensatz zu bisherigen Studien, die Tasks meist entlang ihrer geschlechtlichen Konnotation differenziert haben, nutzen wir hierzu den von Autor et al. (2003) entwickelten task-based approach, der theoretisch und empirisch eine klare Fundierung aufweist. Dabei ziehen wir ein neues Befragungsinstrument aus der vierten Welle der Erwachsenenkohorte (SC6) des Nationalen Bildungspanels (NEPS) heran, das erstmals für Deutschland die am Arbeitsplatz ausgeführten Tätigkeiten im Sinne des task-based approach misst (Matthes et al. 2014). Basierend auf Angaben des Mikrozensus berücksichtigen wir zudem den Frauenanteil im Beruf. Anhand von Mehrebenanalysen und anschließenden Dekompositionsverfahren ist es uns möglich, die ausgeübte Tätigkeiten innerhalb einzelner Berufe zu differenzieren und zugleich Arbeitsanforderungen über verschiedene Berufe hinweg zu vergleichen, sodass wir die heterogene Wirkung von Tätigkeitsinhalten in Bezug zur Geschlechterkomposition einzelner Berufe setzen können.


Within-couple Earnings Inequality and its Variance by socio-economic Position in Germany: A cross-temporal Analysis

Martina Dieckhoff1, Vanessa Gash2, Antje Mertens3, Laura Romeu-Gordo4

1Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Deutschland; 2City, University of London; 3Hochschule für Wirtschaft und Recht; 4Deutsches Zentrum für Altersfragen

Marital homogamy is regarded as a central mechanism behind rising income (Schwartz & Mare 2005) and employment inequalities (Gregg et al., 2002). It entails that couples with weaker human capital are found at the bottom of the earnings distribution unable to access stable and well paid jobs, whilst those with considerable human (and other) capital resources are concentrated at the top of the earnings distribution with both partners in stable and well paid jobs. While theorists of marital homogamy often assume that similarity between partners implies equality in their relationships, research on the partner pay-gap, that is the difference between husbands’ and wives’ labour income, suggests otherwise. There is a remarkable traditionalism between couples in their economic performance: men in the majority of instances out-earn their female partners by quite high levels (Bertrand et al. 2015; Dieckhoff et al. 2015).

Our contribution investigates how the partner-pay gap has evolved over time and compares developments in East and West Germany. Crucially, our contribution adopts an intersectional perspective and examines variation in the partner-pay gap by socio-economic position (defined by male partners’ position in the earnings distribution). The paper draws on the German Socio-Economic Panel spanning the period from 1992-2014. This contribution has three major aims: (1) it analyses how the partner-pay gap amongst dual-earners has evolved over time and how it varies across different gender-cultural contexts; (2) it investigates whether the partner-pay gap varies by socio-economic group (measured by male partners’ position in the income distribution); and finally (3) it investigates the micro-level determinants of the partner-pay and whether these vary by socio-economic position. Among other things, our evidence points towards increased inequalities within couples over the time period we are observing – in both East and West Germany. The analyses also reveal important group-specific variance in terms of the determinants of the partner-pay gap as well as in time trends.


Individuelle und institutionelle Komplexitäten in der Alterssicherung

Dina Frommert, Dagmar Zanker, Christin Czaplicki, Anne Langelüddeke

DRV Bund, Deutschland

Transnationale Mobilität, sich wandelnde Erwerbsleben sowie moderne Paar- und Familienkontexte stellen den Hintergrund komplexer, sich gegenseitig bedingender Konstellationen im Lebensverlauf dar. Alterseinkommen sind die Bilanz dieser kumulierten Ungleichheiten im Lebensverlauf. Im Zuge des Paradigmenwechsel in der Alterssicherung ist in den letzten Jahren eine zusätzliche Komponente an Komplexität hinzugekommen, die eine Zunahme an Ungleichheit in der Alterssicherung vermuten lässt.

Ziel des Beitrags ist es, die vielschichtigen Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen unter Rückgriff auf den Indikator des Gender Pension Gaps zu bestimmen und systematisch zu vergleichen. In einem ersten Schritt sollen die durch die individuelle Erwerbsbiografie erworbenen Anwartschaften verglichen werden. Im zweiten Schritt stehen die gesamten Anwartschaften, also auch die Komponente des sozialen Ausgleichs in der gesetzlichen Rentenversicherung (z. B. für Kindererziehungs- und Pflegezeiten) im Mittelpunkt des Interesses. Hier ist zu erwarten, dass die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Vergleich zum Schritt zuvor geringer werden. In einem dritten Schritt soll nun die Komplexität der zusätzlichen Altersvorsorge (betrieblich, privat) mit berücksichtigt werden. Es ist hierbei anzunehmen, dass dies eine weitere Ungleichheitskomponente darstellt und die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Gender Pension Gap steigen.

Die Analyse basiert auf der Studie „Lebensverläufe und Altersvorsorge“ (LeA) der Deutschen Rentenversicherung Bund in Kooperation mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales. In einer repräsentativen Befragung (2016) wurden umfangreiche Informationen zu den Erwerbs- und Familienbiografien sowie den bislang erworbenen Alterssicherungsanwartschaften der Bevölkerung in Deutschland zwischen 40 und 60 Jahren und ihrer Partner erhoben. Weiterhin wurden die Befragungsdaten individuell mit Daten aus den Versicherungskonten (record linkage) verknüpft. Ergänzt werden diese Längsschnittinformationen zu den Erwerbsbiografien im In- und Ausland durch detaillierte Fragen zur individuellen Vorsorge in den verschiedenen Alterssicherungssystemen. Damit lassen sich Haushalts- und biografische Kontexte im Zusammenhang mit den jeweiligen Alterssicherungsanwartschaften sowie Altersvorsorgeaktivitäten besser verstehen.


Prozesse subjektiver Statusverortung in transnationalen Räumen

Thomas Faist, Joanna J. Sienkiewicz, Inka Stock

Universität Bielefeld, Deutschland

Die transnationale Forschung hat gezeigt, dass MigrantInnen aufgrund transnationaler Habitus (Kelly & Lusis, 2006) im Gastland, und im Heimatland gleichzeitig divergierende soziale Positionen einnehmen können, und somit sogenannte Statusparadoxe hervorrufen (Nieswand, 2011). Es ist allerdings wenig darüber bekannt, nach welchen Kriterien MigrantInnen selbst soziale Positionen in unterschiedlichen Lebenslagen und nationalen Kontexten unterscheiden und so ihre eigene Statusmobilität im transnationalen Raum erleben.

In diesem Beitrag möchten wir deshalb verdeutlichen, wie MigrantInnen in Deutschland ihre Statusmobilität im transnationalen Raum durch Zuhilfenahme symbolischer Grenzziehungen (Sachweh, 2013) auf verschiedenen Ebenen (sozio-ökonomisch, kulturell und moralisch) beschreiben und analysieren. Diese subjektiven Bewertungen der sozialen Position zeigen unter anderem auf, wie multiple Dimensionen der sozialen Ungleichheit in unterschiedlichen Migrationskontexten wirken können und somit Entscheidungen zur weiteren Mobilität im Leben der Menschen mitbestimmen.

Dazu stellen wir Daten aus dem laufenden DFG Projekt „Transnationale Mobilität und soziale Positionierungen in der Europäischen Union“ (2016-2019) vor, welches auf einem methodenpluralem Forschungsdesign basiert. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass MigrantInnen symbolische Grenzen bei der Beurteilung ihres sozialen Status berücksichtigen, diese aber über ihren Lebenslauf hinweg als dynamisch betrachten. Unsere Daten weisen darauf hin, dass neben unterschiedlichen Mobilitätsverläufen auch der nationale Kontext, in denen die Personen aufgewachsen sind, zeitlebens stark für die Beurteilung der eigenen Statusentwicklung ausschlaggebend sind. Weiterhin zeichnet sich ab, dass mobile Menschen nicht nur nationale und transnationale, sondern auch temporäre Rahmen, wie zum Beispiel bestimmte Lebensphasen, als Grundlage für symbolische Grenzziehungen zur Status-Selbstverortung nutzen.


Die zweite Aussiedlergeneration auf dem Arbeitsmarkt: Privilegiert oder benachteiligt?

Andreas Herwig

TU Braunschweig, Deutschland

Der Generationswechsel gilt als Hauptmechanismus zur Verringerung ethnischer Ungleichheit. Inwieweit dies auch auf die am weitreichendsten staatlich geförderte Migrantengruppe in Deutschland zutrifft, die (Spät-)Aussiedler/-innen, ist weitgehend unbekannt; zumindest in Bezug auf Arbeitsmarktchancen, einer Schlüsseldimension im Integrationsprozess.

Aus der Perspektive der ‚segmented assimilation theory‘ führt die vergleichsweise großzügige Unterstützung für (Spät-)Aussiedler/-innen zu einer erfolgreicheren sozioökonomischen Eingliederung ihrer Nachkommen als bei anderen Herkunftsgruppen. Verglichen mit Einheimischen erleben auch sie Nachteile. Ursächlich dafür ist die benachteiligende Wirkung ihrer sozialen Herkunft, die aus einem Defizit arbeitsmarktrelevanter Ressourcen der Einwanderergeneration erfolgt. Insofern müssten ihre Arbeitsmarktchancen zwischen denen der Einheimischen und der anderen Migrantengruppen liegen.

Die Analysen dieses Beitrags zu Zugangschancen in den Arbeitsmarkt, (Vollzeit-)Erwerbstätigkeit und höheren sozioökonomischen Klassen basieren auf dem Mikrozensus. Die Ergebnisse weisen auf komplexe Zusammenhänge hin. Frauen innerhalb der zweiten (Spät-)Aussiedlergeneration haben ähnliche Arbeitsmarktchancen wie Einheimische mit vergleichbarem Hintergrund. Ihre männlichen Pendants schneiden schlechter ab. Wenn aber die zweite Aussiedlergeneration berufliche Bildungsabschlüsse vorweisen kann, sind die Verwertungschancen auf dem Arbeitsmarkt nicht generell kleiner als für Einheimische. Demzufolge ist eine förderliche Integrationspolitik nicht ausreichend für das Verschwinden ethnischer Ungleichheit, solange Integrationsmaßnahmen nicht zielgerichteter die Qualifikation der zweiten Generation verfolgen.



 
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