Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Session
SekKul2: Sektion Kultursoziologie und Sektion Soziologie des Körpers und des Sports - Wechselwirkungen, Konflikte, Überschneidungen von Körper und Leib in sozio-kulturellen Feldern: Eine Auseinandersetzung mit Plessner und Schmitz
Zeit:
Mittwoch, 26.09.2018:
9:00 - 11:45

Chair der Sitzung: Thomas Alkemeyer
Chair der Sitzung: Aida Bosch
Chair der Sitzung: Joachim Fischer
Chair der Sitzung: Robert Gugutzer
Ort: ZHG 103
Sitzplätze: 198 Weitere Informationen finden unter folgenden webadressen: Ausstattung: https://ecampus.uni-goettingen.de/sb/rds?state=verpublish&status=init&vmfile=no&moduleCall=webInfo&publishConfFile=webInfoRaum&publishSubDir=raum&keep=y&raum.rgid=818 Barrierefreiheit: https://www.uni-goettingen.de/de/raumglossar/474082.html#ZHG:%20Zentrales%20H%C3%B6rsaalgeb%C3%A4ude

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Präsentationen

In – Divididualisierung exzentrischer Positionalität

Gesa Lindemann

Carl von Ossietzky Universität, Deutschland

In der Ethnologie hat sich seit Maurice Leenhardt’s Studie über Neukaledonien und den Arbeiten von Marylin Strathern über Neu Guinea das Konzept der Dividualisierung herausgebildet. Im Rahmen von Dividualisierung steht nicht der Sachverhalt ein einzelnes Körperindividuum zu sein im Vordergrund, sondern der Sachverhalt, in Beziehung zu sein.

Die ethnologische Forschung bildet eine irritierende Herausforderung sozialtheoretischer Konzepte, die es ernst zu nehmen gilt. Ausgehend von einer Weiterentwicklung der Theorie exzentrischer Positionalität stellt der Vortrag eine Sozialtheorie vor, die neutral ist hinsichtlich der Differenz von Individualisierung und Dividualisierung. Die grundlegende Theoriefigur wird dabei ausgehend von der Mitwelttheorie Plessners erarbeitet. Wie die konkreten Leib-Umweltbezüge dabei je zu begreifen sind, welche Zeit- bzw. Raumordnung jeweils für Individualisierung oder Dividualisierung relevant sind, lässt sich mit Bezug auf die Leib- bzw. Raum- und Zeitanlaysen von Hermann Schmitz ausarbeiten.


Vital Turn mit Plessner und Schmitz. Weinen und Lachen als Lebensbedingungen sozio-kultureller Lebenswelt

Joachim Fischer

TU Dresden, Deutschland


Techniken des Leibes. Plessner, Schmitz und der Sport

Robert Gugutzer

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Deutschland

In seinem berühmten Vortrag über "Die Techniken des Körpers" (1934) berichtet Marcel Mauss von einem früheren Sportlehrer, der zu den "Besten um 1860 in Joinville" zählte und ihm beigebracht hatte, "mit den Fäusten am Körper zu laufen". Erst nachdem er 1890 professionelle Läufer gesehen habe, so Mauss, sei ihm klar geworden, "dass man anders laufen muss". An Beispielen wie diesen erläutert Mauss seine zentrale These, dass der Körper das "erste und natürlichste" Mittel und Objekt des Menschen bzw. der menschliche Körper ein gleichermaßen natürliches wie kulturelles Phänomen ist. Das Beispiel des Laufens deutet zudem an, dass der Sport ein gesellschaftliches Feld ist, in dem sich die "natürliche Künstlichkeit" (Plessner) des menschlichen Körpers besonders eindrücklich zeigt.

Daran anknüpfend und vor dem Hintergrund der phänomenologischen Unterscheidung von Körper und Leib soll in dem Vortrag erstens die These erläutert werden, dass nicht nur der Körper, sondern ebenso der Leib ein natürlich-künstliches Phänomen ist. Die theoretische Basis dafür liefert eine Verschränkung der Anthropologien von Hermann Schmitz und Helmuth Plessner: Ist mit Schmitz der menschliche Leib eine dynamische räumliche Struktur, die universell als affektives Betroffensein erlebt wird, so ist mit Plessner diese Leibnatur immer nur "vermittelt unmittelbar", also kulturell 'gebrochen' erlebbar. Diese Vermittlung erfolgt im Sport vor allem auf körperlich-praktische Weise.

Zweitens will der Vortrag zeigen, dass für die sportliche Praxis nicht allein Techniken des Körpers, sondern gleichermaßen Techniken des Leibes – mit Schmitz: "Techniken der Leibbemeisterung" – von fundamentaler Bedeutung sind. Das körperliche Handeln und Interagieren im Sport ist voll von leiblichen Widerfahrnissen, mit denen die Patheure des Sports umzugehen haben. Je nachdem, ob es sich um lustvoll (Rauscherleben, Spannung) oder unlustvoll (Seitenstechen, Hungerast) besetzte leibliche Zustände handelt, gilt es fördernde oder unterbindende Techniken des Leibes zu entwickeln bzw. anzuwenden. Soziologisch relevant ist dabei die Frage, durch welche "Strukturübungen" (Bourdieu), die im phänomenologischen Sinne Leibesübungen sind, solche Techniken des Leibes erworben werden können. Dieser Frage widmet sich der Vortrag.


Sinnliche Wahrnehmungsweisen technisch reproduzierter Stimmen - zur Wechselwirkung von Materialitäten, Hörpraxen und eigenleiblichem Spüren

Miklas Schulz

Leibniz Universität Hannover, Deutschland

Viele Gegenstände sind bereits von der praxistheoretischen Wende erfasst und durch neue Lesarten dekonstruiert worden: Geschlecht, Behinderung, Ethnie etc. Selbiges steht für die menschliche Wahrnehmung noch aus. Doch auch in diesem Feld lassen sich anthropologische Gesetzmäßigkeiten hinterfragen. Empirisch fundiert unternehme ich in meiner Studie Hören als Praxis (Schulz 2018) einen Versuch der Neubestimmung. Resultat ist das Konzept des doing perception, das die deutende Haltung gegenüber der eigenen Sinnlichkeit als maßgeblich für das (hergestellte) Eigenleibliche Spüren ausweist.

Vorstellen möchte ich in dem Vortrag meinen integrierten, dispositivanalytischen Forschungsansatz. Dieser bezieht Helmut Plessners philosophische Anthropologie (exzentrische Positionalität, Verkörperungsfunktion, Sinngebungsformen) ein und geht gleichzeitig über sie hinaus. Er öffnet sich über einen weit gefassten Wissensbegriff in Richtung des gegenwärtigen Medien-Alltags (seinem technologisch wie leiblich gebundenen Wissensbeständen). Auch die Halbdinge in Form menschlicher Stimmen (Hermann Schmitz) verkörpern kulturelle Wissensvorräte, wobei deren leiblich-affizierende Wirkung je nach situativer Aneignungspraxis variiert. Aktives Zuhören begreife ich schließlich als ein passives leibliches Handeln, das insoweit gelingt, wie sich die leibliche Gestimmtheit in die atmosphärische Stimmung (Gernot Böhme) eines akustischen Textes einschwingen kann.

Hörpraxen lassen sich – so die Ergebnisse meiner Studie – mit Walter Benjamin als ein Trainingsfeld begreifen und danach unterscheiden, wie sie sich aus den verschiedenen materiell-technologischen, diskursiv-symbolischen und affektiven Anteilen zusammensetzen. Während die eine Hörpraxis vom leiblichen Empfinden eines angenehmen Stimmklangs motiviert ist, wird eine andere Hörpraxis von einem gesellschaftlich vermachteten Körperwissen (bürgerlicher Schriftkultur und deren Körperfeindlichkeit) strukturiert, das diese Affizierung tendenziell verurteilt.



 
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