Veranstaltungsprogramm
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Sitzungsübersicht |
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P 12: #Demokratie - Journalismus in der demokratischen Gesellschaft - Zusammenhänge, Relevanz und Perspektiven
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Journalismus in der demokratischen Gesellschaft: Zusammenhänge, Relevanz und Perspektiven Journalismus in der demokratischen Gesellschaft: Zusammenhänge, Relevanz und Perspektiven Journalismus und Demokratie sind eng miteinander verknüpft und bedingen sich gegenseitig: Wo Demokratie abgebaut wird, werden auch die Rechte von Medienschaffenden eingeschränkt und Versuche unabhängiger Berichterstattung unterbunden – und wo es keinen unabhängigen Journalismus gibt, fehlt eine elementare Kontrollinstanz, die politischen Machtmissbrauch offenlegt (u. a. Tocqueville & Reeve, 1835; Nord et al., 2025). Ein starkes Mediensystem, hohe journalistische Standards und Vertrauen in die Medien sind zudem entscheidend für die demokratische Widerstandskraft gegen gezielte Manipulation (Dragomir et al., 2024). Sei es durch die Betrachtungsweise von Journalismus als „Vierte Gewalt“ durch die Festschreibung seiner Aufgaben und Freiheiten in Gesetzen oder durch die Wirkungsmacht von Medien in Prozessen demokratischer Erosionen und Resilienz: Der Zusammenhang von Journalismus und Demokratie ist ein wichtiges Thema in der Politik- und Kommunikationswissenschaft. Dabei ist das Zusammenspiel von Journalismus und Demokratie zurzeit durch mehrere Entwicklungen gezeichnet, die krisenhafte Tendenzen annehmen können. Zum einen ist Journalismus eine wichtige Instanz für die Meinungs- und Willensbildung von Bürger*innen in einer Demokratie (Meier, 2018). Doch neben ihm versuchen andere Kommunikator*innen, von denen viele antidemokratische Tendenzen haben, auf die Meinungsbildung Einfluss zu nehmen. Sie versuchen, digitale Kommunikationsräume zu dominieren, verbreiten Hass und Desinformation auf Social Media und in dortigen Kommentarspalten und tragen zu einer Polarisierung bei. Aktuelle Polarisierungstendenzen in Gesellschaft und Politik (Graham & Svolik, 2020; Arbatli & Rosenberg, 2020; Orhan, 2022) und Gefühle der Entfremdung schaden der Demokratie. Damit demokratische Meinungsbildung funktioniert, ist es wichtig, dass das Verhältnis zwischen Bevölkerung, Journalismus und Politik gesund ist. Das hier vorgeschlagene Panel soll einen genaueren Blick auf das Zusammenspiel von Journalismus und Demokratie in Deutschland werfen. Die vorgestellten Forschungsprojekte beleuchten wichtige Aspekte des Themas. Themen des Panels sind: • Entfremdung zwischen Bevölkerung, Journalismus und Politik • Schnittmengen postfaktischer Kommunikationsformen • Divergente und konvergente Erwartungen und Erwartungserwartungen verschiedener Gruppen an den Journalismus in Deutschland • Diskursiver Journalismus als mögliches Mittel gegen Polarisierung „#Wissenschaft #Kommunikation #Demokratie“ – das Panel greift die zentralen Elemente des Tagungsthemas auf. Die Vorträge reflektieren die Signifikanz wissenschaftlicher Auseinandersetzungen mit dem Thema. Literatur Arbatli, E., & Rosenberg, D. (2020). United we stand, divided we rule: how political polarization erodes democracy. Democratization, 28(2), 285–307. https://doi.org/10.1080/13510347.2020.1818068. Dragomir, M., Rúas-Araújo, J., & Horowitz, M. (2024). Beyond online disinformation: assessing national information resilience in four European countries. Humanities and Social Sciences Communications, 11(1). https://doi.org/10.1057/s41599-024-02605-5. Graham, M. H., & Svolik, M. W. (2020). Democracy in America? Partisanship, Polarization, and the Robustness of Support for Democracy in the United States. American Political Science Review, 114(2), 392–409. https://doi.org/10.1017/S0003055420000052. Meier, K. (2018). Journalistik (4. Auflage). utb. https://doi.org/10.36198/9783838548081. Nord, M., Angiolillo, F., Good God, A., & Lindberg, S. I. (2025). State of the world 2024: 25 years of autocratization – democracy trumped? Democratization, 32(4), 839–864. https://doi.org/10.1080/13510347.2025.2487825. Orhan, Y. E. (2022). The relationship between affective polarization and democratic backsliding: comparative evidence. Democratization, 29(4), 714–735. https://doi.org/10.1080/13510347.2021.2008912. Beiträge des Symposiums Völlig losgelöst? Ein Blick auf die Entfremdung zwischen Bevölkerung, Journalismus und Politik Seit einiger Zeit wird nicht nur im Verhältnis zwischen Politik und Bevölkerung, sondern auch zwischen Journalismus und seinem Publikum eine Entfremdung diskutiert. Vor diesem Hintergrund untersucht die Studie a) die wahrgenommene Entfremdung der Bevölkerung zu Journalismus und Politik im Vergleich sowie b) die Bewertung des Verhältnisses zur Bevölkerung durch Journalismus und Politik. Dazu wurde im Frühjahr 2023 eine parallele Befragung der Bevölkerung (offline rekrutierte Onlinebefragung; n = 2.577), Politikjournalist:innen (n = 391, Rücklauf: 18,2 %) und Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker:innen (n = 701; Rücklauf: 23,4%; beide Eliten: Paper-pencil und online) durchgeführt. Entfremdung wurde über identische Items für beiden Elitengruppen operationalisiert (z. B. „Journalisten und Journalistinnen schauen auf Menschen wie mich von oben herab“; „Die Abgeordneten im Parlament verlieren ziemlich schnell den Kontakt mit dem Volk“). Es zeigt sich, dass sich die Bevölkerung von der Politik stärker entfremdet fühlt als vom Journalismus. Während der Journalismus sein Verhältnis zum Publikum ähnlich einschätzt wie das Publikum, nimmt die Politik nimmt ihr Verhältnis zur Bevölkerung deutlich positiver wahr als die Bevölkerung selbst. Im Vortrag werden zudem Einflussfaktoren auf wahrgenommene Entfremdung sowie Diskrepanzen zwischen Eliten- und Bevölkerungseinschätzung präsentiert. Demokratie unter Druck: Zur Untersuchung von Schnittmengen postfaktischer Kommunikationsformen Während der Journalismus nach wie vor einen zentralen Beitrag zur Demokratie leistet, dringen postfaktische Kommunikationsformen zunehmend in die Zentren digitaler Öffentlichkeiten vor. Dort leugnen einflussreiche politische Akteure Fakten, schüren Hass und diskreditieren unabhängigen Journalismus als „Fake News“ (Hameleers, 2020). Hinzu kommen systematische Versuche der Informationsmanipulation durch autoritäre Regime (Madrid-Morales et al., 2024). Der Beitrag stellt ein theoretisches Modell sowie ein interdisziplinäres Framework zur Analyse von Narrativen vor, mit dem sich inhaltliche Beziehungen zwischen der Kommunikation antidemokratischer Akteure im In- und Ausland untersuchen lassen. Erste Ergebnisse zeigen das Potenzial des Frameworks, solche fallübergreifenden Muster zu identifizieren. Empirische Anknüpfungspunkte und Implikationen für den Journalismus werden diskutiert. *Literatur* Hameleers, M. (2020). Populist Disinformation: Exploring Intersections between Online Populism and Disinformation in the US and the Netherlands. Politics and Governance, 8(1), 146–157. https://doi.org/10.17645/pag.v8i1.2478. Madrid-Morales, D., Wasserman, H., & Ahmed, S. (2023). The Geopolitics of Disinformation: worldviews, media consumption and the adoption of global strategic disinformation narratives. International Journal of Public Opinion Research, 36(3). https://doi.org/10.1093/ijpor/edad042. Die Diskrepanz im Kopf? Was Bevölkerung, Journalismus und Politik vom Journalismus in Deutschland erwarten Journalist*innen sollen Meinungen klar von Fakten trennen und möglichst neutral und präzise informieren: Darüber sind sich Journalist*innen, Bevölkerung und Politik in Deutschland einig. Das zeigen Ergebnisse einer multiperspektivischen Langzeitstudie. Vor dem Hintergrund, dass ein gewisser gesellschaftlicher Konsens über die Aufgaben des Journalismus als wichtige Grundlage für journalistisches Handeln betrachtet werden kann, sind existierende Erwartungsunterschiede von großer Bedeutung. Das zeigt sich bspw. bei der klassischen Aufgabe des Journalismus, die Regierenden in Demokratien zu kontrollieren: Während 81% der befragten Journalist*innen (Online-Befragung, n=525) dies von ihrem Beruf erwarten, sind es nur 54% Zustimmung in der Bevölkerung (forsa-Befragung, Online-Access-Panel, n=1018). Eine Diskrepanz zeigt sich auch bei den ebenfalls erhobenen Erwartungserwartungen: Während Journalist*innen vermuten, dass die Kontrolle der Regierenden ihrem Publikum ebenso wichtig sei wie ihnen selbst, nehmen nur 40% des Publikums an, dass diese Aufgabe wichtig für die Journalist*innen in Deutschland sei. Was bedeuten die unterschiedlichen Erwartungen und Erwartungserwartungen für den hiesigen Journalismus? Und welche Konsequenzen haben sie für die Demokratie? Diese Fragen diskutiert der hier vorgelegte Beitrag. Kann diskursiver Journalismus affektive Polarisierung abbauen? Eine Experimentalstudie im Längsschnitt Demokratien sind mit zunehmender Polarisierung konfrontiert, wobei v.a. affektive Polarisierung demokratischen Austausch hemmen kann (Orhan 2022). Der diskursive Journalismus (Brosda 2008), der die Journalismuskonzeption von Baum (1994) mit dem Diskursverständnis von Habermas (1981) vereint, könnte affektive Polarisierung abbauen, indem Journalist:innen als Diskursanwält:innen Multiperspektivität und Rationalität fördern und so zu mehr gegenseitigem Verständnis beitragen. Diese Annahme wird mit einer experimentellen Panel-Befragung mit Videostimuli im Längsschnitt geprüft (drei Wellen; Nt1 = 5000). In der Experimentalkondition agiert die Moderatorin eines fiktiven diskursiven Debattenformats als Diskursanwältin, in der Kontrollkondition deutlich passiver. Die vorläufigen Ergebnisse deuten den Mitigationseffekt an, betonen aber auch die Rolle von Faktoren wie generelle Offenheit. *Literatur* Baum, A. (1994). Journalistisches Handeln. Eine Kritik der Journalismusforschung. Westdeutscher Verlag. Brosda, C. (2008). Diskursiver Journalismus. Journalistisches Handeln zwischen kommunikativer Vernunft und mediensystemischem Zwang. VS. Habermas, J. (1981). Theorie des kommunikativen Handelns [2 Bd.]. Suhrkamp. Orhan, Y. E. (2022). The relationship between affective polarization and democratic backsliding: comparative evidence. Democratization, 29(4), 714–735.
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