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Sitzungsübersicht
Session
Panel A13
Vernetzte Gesellschaft

Zeit:
Freitag, 31.03.2017:
15:30 - 17:00

Chair der Sitzung: Katharina Kleinen-von Königslöw, Universität Hamburg
Ort: HS 3c

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Präsentationen

Politisch homogene Teilkulturen in der Öffentlichkeit? Identifikation von politisch-kommunikativen Milieus und Bedingungen ihrer Vernetzung

Raphael Kösters, Olaf Jandura

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Deutschland

Der Beitrag fokussiert das Phänomen politisch homogener, wenig vernetzter Teilöffentlichkeiten. Es wird befürchtet, dass in der politischen Kommunikation dieser Öffentlichkeitssegmente Themen und Problemdeutungen anderer Segmente entweder gar nicht wahrgenommen oder Bezüge auf differierende Sichtweisen lediglich in diffamierender Weise vorgenommen werden. Als Konsequenz wird eine abnehmende Integration der Gesellschaft diskutiert.

Ausgehend vom Konzept politisch-kommunikativer Milieus untersucht der Beitrag Bedingungen für die Vernetzung von Milieus auf der publikumsbezogenen Nutzungsebene. Diese betreffen die von verschiedenen Milieus als relevant erachteten politischen Themen sowie sich womöglich überschneidende Medienrepertoires. Das Potenzial der kommunikativen Vernetzung von Milieus steigt, sofern sich gemeinsame Themenrelevanzen äußern und es Medienangebote gibt, die von verschiedenen Milieus gemeinsam genutzt werden.

Zur empirischen Prüfung wurde im Mai 2016 eine repräsentative Online-Befragung durchgeführt. Die Ergebnisse einer Clusteranalyse erlauben differenzierte Aussagen darüber, welche Teile des Publikums mit ihrer Kommunikationspraxis an einem gesellschaftlich vernetzten Diskurs teilnehmen und bei welchen Milieus es Anzeichen für eine kommunikative Abschottung gibt.


Soziale Medien und Polarisierung in der Türkei. Eine qualitative Aneignungsstudie hinsichtlich der Netzwerkheterogenität

Cigdem Bozdag

Kadir Has Universitaet, Türkei

Der Austausch zwischen Menschen verschiedener politischer Positionen wird als einer der entscheidenden Elemente einer demokratischen Öffentlichkeit betrachtet. Soziale Medien formen heute wichtige Kommunikationsplattforme, in denen Austausch von politischen Meinungen zwischen Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen stattfinden kann. Verschiedene Studien argumentieren, dass soziale Medien die Heterogenität von sozialen Netzwerken von Menschen steigern, indem sie schwache Verbindungen („weak ties“) verstärken und die Verwaltung von komplexeren Netzwerkstrukturen vereinfachen (Ellison et al. 2007). Dieser Vortrag beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern soziale Medien zur Vernetzung von Menschen mit unterschiedlichen politischen Meinungen in der polarisierten Umgebung von der Türkei beitragen. Die Diskussion basiert auf einer qualitativen Analyse von Leitfadeninterviews und egozentrierten Netzwerkkarten. In dem Vortrag wird entlang einer Nutzertypologie demonstriert, dass die NutzerInnen über die unterschiede von Parteizugehörigkeiten hinweg bestimmte Aneignungsmuster von sozialen Medien hinsichtlich der Netzwerkheterogenität aufweisen.


Dyade, Triade oder gleich das ganze Netz? – Methodische Herausforderungen bei der Untersuchung von Vernetzungsphänomenen in der Gesundheitskommunikation

Doreen Reifegerste, Elena Link

Hochschule für Musik, Theater und Medien, Hannover

Das soziale Netzwerk (wie Angehörige, Freunde oder Online-Kontakte) spielt in der Gesundheitskommunikation eine wichtige Rolle, da von diesem Netzwerk viele Unterstützungsangebote ausgehen. Trotz dieser großen Bedeutung des sozialen Umfeldes und Netzwerkes, konzentrieren sich jedoch sowohl qualitative als auch quantitative Methoden in der Gesundheitskommunikation vorrangig auf das Individuum und dessen Informations- und Gesundheitsverhalten. Fragestellungen die sich der Rolle des sozialen Netzwerkes widmen sind daher von großer Bedeutung, gehen allerdings auch mit methodischen Herausforderungen bei der Auswahl des (1) Erhebungsverfahrens; (2) des Samples und (3) der untersuchungsrelevanten Variablen einher. Daher skizziert der vorliegende Beitrag basierend auf verschiedenen qualitativen und quantitativen Studien aus dem Kontext der Gesundheitskommunikation die methodischen Anforderungen solcher Studien und belegt diese mit Beispielen.

In der Diskussion soll darauf eingehen werden, welche Implikationen sich aus den vorgeschlagenen methodischen Erweiterungen zur Untersuchung von Vernetzung in der Gesundheitskommunikation für die Theoriebildung, die Analyseverfahren und die weitere Forschung ergeben.


Mediale Netzwerke und Resilienz: Formen der Vernetzung zwischen lokalen Journalisten und Betroffenen der Fukushima-Katastrophe.

Florian Meißner

TU Dortmund, Deutschland

Der Beitrag diskutiert das Potenzial analoger und digitaler Vernetzung zwischen journalistischen Akteuren und Mediennutzern im Kontext der Berichterstattung über Katastrophen. Die verschiedenen Formen dieser Vernetzung werden dabei nach Bourdieu (1983) als Teil des "sozialen Kapitals" einer betroffenen (Orts-)Gesellschaft interpretiert, deren integraler Bestandteil die dort ansässigen journalistischen Medien sind. Das soziale Kapital wiederum gilt als ein zentraler Faktor für die Resilienz, also die Fähigkeit, sich von den Folgen eines Krisenereignisses zügig zu erholen. Dass mediale Netzwerke in diesem Prozess eine wichtige Ressource sein können, zeigt das Beispiel der Erdbeben-, Tsunami- und Nuklearkatastrophe in Japan 2011: Anhand von Experteninterviews mit Journalismusforschern und Japanologen (n = 5) sowie narrativen Interviews mit japanischen Journalisten (n = 11) konnte rekonstruiert werden, dass gerade regionale und lokale Medien ihre Vernetzung mit Anwohnern der betroffenen Gebiete nutzten, um die Bewältigung der Katastrophenfolgen zu unterstützen.



 
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