Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung. Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.
Nicht immer besser, aber schneller: Der semiokklusive Folienverband im Vergleich zum homodigitalen Insellappen bei Fingerkuppenamputationen
Arsalan-Werner, Annika; Brui, Natallia; Hirche, Christoph
BG Unfallklinik Frankfurt, Deutschland
Hintergrund: Fingerkuppenamputationen sind häufige Handverletzungen und können operativ oder konservativ behandelt werden. Der semiokklusive Folienverband stellt eine etablierte Alternative zur plastischen Deckung, z.B. mit dem homodigitalen Insellappen dar, direkte Langzeitvergleiche beider Verfahren sind jedoch limitiert. Ziel dieser Studie war der Vergleich der langfristigen funktionellen, sensiblen und patientenberichteten Ergebnisse beider Behandlungsstrategien.
Material und Methoden: In dieser retrospektiven vergleichenden Kohortenstudie wurden Patient:innen mit isolierten Fingerkuppenamputationen distal des distalen Interphalangealgelenks eingeschlossen. Eine Kohorte umfasste 28 PatientInnen mit 29 Fingern nach Versorgung mittels homodigitalem Insellappen mit einem mittleren Follow-up von 105 ± 42 Monaten. Die Vergleichsgruppe wurde nach einer Änderung des institutionellen Standardtherapiekonzepts mit einem semiokklusiven Folienverband behandelt (20 PatientInnen, 25 Finger) und nach 74 ± 21 Monaten postoperativ nachuntersucht. Erhoben wurden Bewegungsumfang, Griffkraft, DASH-Score, sensible Parameter, Nagel- und kosmetisches Ergebnis, Schmerzen und Patientenzufriedenheit.
Ergebnisse: PatientInnen der Folienverbandsgruppe waren zum Verletzungszeitpunkt signifikant älter als in der Lappenkohorte (52,5 ± 15,7 vs. 42,9 ± 15,5 Jahre; p = 0,042). Trotz höheren Alters zeigte sich eine signifikant kürzere Heilungsdauer in der Folienverbandsgruppe (7,3 ± 3,2 vs. 14,6 ± 9,6 Wochen; p < 0,001). Geschlecht, Händedominanz und berufliche Belastung waren zwischen den Gruppen vergleichbar. Die langfristigen funktionellen Ergebnisse, einschließlich Griffkraft, DASH-Score und Patientenzufriedenheit, zeigten keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Behandlungsverfahren.
Schlussfolgerung: Der semiokklusive Folienverband ermöglicht trotz höherem Patientenalter eine deutlich verkürzte Heilungsdauer bei vergleichbaren langfristigen funktionellen und sensiblen Ergebnissen und stellt bei ausgewählten Fingerkuppenamputationen eine zuverlässige und ressourcensparende Alternative zum homodigitalen Insellappen dar.