Veranstaltungsprogramm

Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Tagung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.

 
Sitzungsübersicht
Session
FF07: Die unterschätzte Norm: Jahrgangsklassen und ihre Reformen in Geschichte und Gegenwart
Zeit:
Montag, 19.03.2018:
15:30 - 17:30

Chair der Sitzung: Fanny Isensee, Humboldt-Universität zu Berlin
Chair der Sitzung: Daniel Töpper, Humboldt Universität zu Berlin
Ort: R12 R04 B11
30 Plätze
Sitzungsthemen:
Vergleichende BiFo./Ewi./Päd., Schultheorie/-entwicklung/-forschung, Historische BiFo./Ewi./Päd., Bildungssystemforschung, Allgemeine Pädagogik, theoretisch-reflexiv, Internationale Vergleichsstudien, Denkbewegungen

Zeige Hilfe zu 'Vergrößern oder verkleinern Sie den Text der Zusammenfassung' an
Präsentationen

Die unterschätzte Norm: Jahrgangsklassen und ihre Reformen in Geschichte und Gegenwart

Chair(s): Fanny Isensee (Humboldt-Universität zu Berlin), Daniel Töpper (Humboldt-Universität zu Berlin)

Diskutant(en): Prof. Dr. Ursula Carle (Universität Bremen), Prof. Dr. Sabine Reh (Humboldt-Universität zu Berlin/Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung Berlin)

Die Frage, wie in Schulen größere Schüler*innenkohorten unterteilt werden können, beschäftigt die politische und pädagogische Öffentlichkeit bereits seit Beginn des 19. Jahrhunderts. Auch heute noch deuten Diskussionen zu Schulverweigerung sowie verschiedene Reformprojekte („gemeinsame Grundstufe“, „ability groupings“) auf die zugrundeliegende Spannung zwischen individueller Entwicklung und organisatorischer Planbarkeit hin. Das Forschungsforum will die Frage der Gruppierung anhand von Beispieldiskussionen für verschiedene Kontexte historiografisch situieren und auf rhetorische (Dis-)Kontinuitäten hinweisen. Dabei werden Positionen und eingesetzte Argumentationslinien beleuchtet, um so Gruppierungsentscheidungen nachvollziehbarer zu machen. Das Forum arbeitet diese jeweils für Preußen/Deutschland und die USA sowohl historisch als auch auf die jüngere Vergangenheit bezogen heraus. An die Vorträge schließt sich jeweils ein Kommentar sowie eine offene Diskussion an.

 

Beiträge des Symposiums

 

Machbarkeiten schulischer Gruppierungsweisen im preußischen Berlin‐Brandenburg (1815‐1900)

Daniel Töpper
Humboldt-Universität zu Berlin

Preußen gilt auf Ebene innerschulischer Gruppierung in Klassen als Innovationskontext im Forschungsdiskurs. Ein Grund hierfür liegt in der zu Beginn des 19. Jahrhunderts beginnenden Reformtätigkeit, die eine Beschulungsausweitung initiierte. Diese vor allem städtische Expansion des niederen Schulwesens ging einher mit dem Aufkommen der Frage, gemäß welcher Kategorie(n) die Gesamtschülerschaft untergliedert werden sollte. Die in der externen und nachträglichen Beobachtung suggerierte Eindeutigkeit war hier im 19. Jahrhundert lange ebenso wenig gegeben wie eine explizite gesamtstaatliche Regulierung schulischer Gruppierungsweisen. Vielmehr setzten sich nur allmählich der Jahrgang als Gliederungseinheit und Alter als individuell-zurechenbares Attribut durch. Die Diskussion, die diesen Prozess in Hinblick auf das niedere Schulwesen begleitete, will der Vortrag beleuchten (für das höhere Schulwesen vgl. Scholz & Reh, 2016; Müller, 1977). Der Vortrag zeichnet die relevanten Aushandlungen anhand von Verwaltungsdokumenten und Zeitschriften nach und identifiziert eingesetzte Argumente, Konzepte und involvierte Professionsgruppen. Insbesondere wird hierbei Argumenten der „Machbarkeit“ nachgegangen. Oft wurde die Präferenz für ein System mit der Undurchführbarkeit des anderen Systems begründet. Der Vortrag folgt der Aushandlung bis zur Konsolidierung des Jahrgangsprinzips um 1900 (vgl. bspw. Rein, 1901-1903, Stichwort „Klassenorganisation der Volksschule“).

 

Debates Surrounding the Implementation of Age-Grading in the USA at the End of the 19th Century

Fanny Isensee
Humboldt-Universität zu Berlin

By tracing the arguments brought forward in discussions about the institutionalization of age-grading in the United States of America the paper focuses on an early adopter of this grouping mode that originated in Prussia. However, not only does the US-American context differ from the Prussian case with regard to its specific educational administration and the subordinate impact of the nation state. It also features a school system that is faced with a different demographic makeup as well as a high significance of ethnic affiliation and religious denomination. This specific constellation will be exemplified based on the case studies of Chicago and New Orleans (cf. Herrick 1971; DeVore & Logsdon 1911) which each took a different path to establish a system of grading schoolchildren according to their age.

In order to shed light on the controversies surrounding the implementation process and the pedagogical, political and practical arguments utilized in these debates the presentation will draw on documents issued by school boards and administrations (e.g. annual reports and meeting minutes) as well as materials authored by prominent school reformers. Thus, the paper seeks to illustrate how certain lines of arguments were weighted and that especially financial and political criteria were pivotal for the implementation and consolidation of age-grading in the USA.

 

Reformpädagogik und Jahrgangsklasse

Dr. Joachim Scholz
Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung Berlin

Die Überwindung starrer Ablaufschemata und Zeitvorgaben korrespondiert mit den klassischen reformpädagogischen Kernforderungen nach unterrichtlicher Gestaltungsfreiheit und einer Pädagogik, die den je individuellen Eigenarten kindlicher Entwicklung verpflichtet sein sollte. Als Postulat findet sie Eingang in die Konzepte prominenter Vertreter_innen der reformpädagogischen Bewegung. So forderte etwa Berthold Otto in Bezug auf das Einschulungsalter: „Nie darf nach dem Lebensalter mechanisiert werden“ (zitiert nach Oestreich 1979 [1923], S. 152). Doch anders als Gesamtunterricht und Einheitsschule, die als Entgrenzungen der fachlichen und der sozialen Struktur der Schulklasse viel diskutiert wurden, sind Reformversuche des Jahrgangsprinzips ein nur randständiges Thema in der bildungshistoriografischen Literatur. Tatsächlich scheinen auch in der historischen Praxis zeitbezogene Veränderungen der Unterrichtsstruktur (wie Binnendifferenzierung oder die Aufhebung der Nichtversetzung) vorwiegend nur innerhalb des Jahrgangsklassenprinzips verwirklicht worden zu sein.

Im Beitrag wird (1) eine Zusammenschau reformpädagogischer Argumentationen und Konzepte zur Altersmischung über Klassengrenzen hinweg unternommen, (2) für die rege Versuchsschulpraxis nach dem Ersten Weltkrieg Einblick in Praxisversuche geleistet und (3) nach Erklärungen für die Randständigkeit des Themas gesucht.

 

Begründungslinien und Entwicklungen zur Jahrgangsmischung aus heutiger Perspektive

Prof. Dr. Matthea Wagener
Technische Universität Dresden

Mit den Empfehlungen der Kultusministerkonferenz von 1997 wurde die Schulanfangsphase neu gestaltet, was mit einer ein- bis dreijährigen Flexibilisierung der Lernzeit verbunden war. Auch über die Schulanfangsphase hinaus hat sich an vielen Schulen Jahrgangsmischung etabliert. Für die Einrichtung jahrgangsgemischter (Grundschul-) Klassen lassen sich aus bildungspolitischer und pädagogischer Perspektive Begründungen nachzeichnen. Deutlich wird, dass pädagogische Begründungen teilweise auf reformpädagogische Argumente rekurrieren, aber auch im Zuge der sozialwissenschaftlichen Kindheitsforschung „in Differenz zur Reformpädagogik auf Prinzipien der Demokratie“ (Götz 2014, S. 93) beruhen. Jahrgangsmischung geht also weit über eine veränderte Form der Unterrichtsorganisation hinaus (vgl. Wagener 2017). Begründungslinien zur jahrgangsgemischten Gruppierungsform stehen im Mittelpunkt des Vortrags und werden vor dem Hintergrund von Rahmenbedingungen und Entwicklungen in den Bundesländern (exemplarisch Berlin und Sachsen) diskutiert.

 

An examination of instructional grouping methods in the United States: Historical perspectives and current trends

Dr. Barbara Fink Chorzempa
State University of New York

Although multi-age and nongraded classrooms can be found in schools across the country (e.g., Day & Yarbrough, 1998; Goodlad & Anderson, 1987), the primary mode of grouping schoolchildren in the United States remains the practice of age-grading by the school system. Once children are grouped using this criterion, teachers often have the opportunity to decide between other forms of organizational arrangements to use for instruction: ability grouping (i.e., within- and between-class), flexible grouping (e.g., groups formed based on interest or genre), whole group, peer-tutoring, and individualized instruction (Chorzempa & Graham, 2006). An explanation of and arguments for these grouping practices will be provided and presented in three contexts: historical (1840-1913), recent past (1990’s-2009), and current trends (2010-present). Although no research could be identified to date documenting its impact on current grouping practices, there is no doubt that the implementation of the Common Core State Standards for English Language Arts and Mathematics, adopted by 42 of the 50 states, has played a role.



 
Impressum · Kontaktadresse:
Veranstaltung: DGfE-Kongress 2018
Conference Software - ConfTool Pro 2.6.125+TC
© 2001 - 2019 by Dr. H. Weinreich, Hamburg, Germany