Conference Agenda

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Session Overview
Session
SY-I-22: Dynamiken des Älterwerdens: Differente Zeitordnungen und (De-)Mobilisierungen des Selbst im Lebensverlauf
Time:
Monday, 19/Mar/2018:
12:30pm - 3:00pm

Session Chair: Prof. Sina-Mareen Köhler, RWTH Aachen
Session Chair: Dr. Sebastian Schinkel, Universität Duisburg-Essen
Location: R12 R07 A69
40 Plätze
Session Topics:
qualitative, Socialization and Biographical Research, General Education, Movements of Thinking in Educational Science

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Presentations

Dynamiken des Älterwerdens: Differente Zeitordnungen und (De-)Mobilisierungen des Selbst im Lebensverlauf

Chair(s): Prof. Sina-Mareen Köhler (RWTH Aachen), Dr. Sebastian Schinkel (Universität Duisburg-Essen)

Discussant(s): Prof. Vera King (Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Lebensverläufe und -perspektiven entfalten sich in unterschiedlichen Zeitordnungen, die sich im Alltag überschneiden und diachron verändern. Individuelle Zeitperspektiven orientieren sich dabei sowohl an wahrgenommenen Anforderungen durch institutionelle Einbindungen und antizipierten Schritten der Lebensplanung wie auch am Zeiterleben des Machbaren und Möglichen. Dabei unterscheiden sich die institutionalisierten (Bildungs-)Wege in ihrer Dauer, Intensität und Perspektivität auf zukünftige Lebensweisen. Mit qualitativen Forschungsansätzen werden individuelle und kollektive Zeitkonstruktionen hinsichtlich der Anforderungen an eine zeitliche Strukturierungsarbeit und deren Veränderung im Lebensverlauf in den Blick genommen. Solche Veränderungen werden hier als Bewegungen verstanden, die Lebensverläufe sowohl erfassen als auch selbst initiiert werden. Das Symposium ist an das Wissenschaftliche Netzwerk "Jung sein – älter werden: Zeitlichkeiten im Wandel" angebunden.

 

Presentations of the Symposium

 

Imagining late adulthood: a possibility to square the circle in a context of youth uncertainty?

Dr. Valentina Cuzzocrea
Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien, Universität Erfurt

Youth transitions literature has traditionally devoted great attention to identify and analyse events that are considered crucial to young people in their short-term orientation to the future. Such categories as 'fateful moments' (Giddens 1991), 'turning points' (McAdams et al. 2001), 'critical moments' (Thomson et al. 2002) and 'croassroads' (Bagnoli/Ketokivi, 2009) have been used to explain around which events young people take important decisions in order to realise the so-called transition to adulthood. This attention is framed by a central scope in youth transition literature, namely to investigate what hinders or facilitates independence. Yet, taking a longer perspective opens insights not only on the extent to which they see positive changes in society as possible in a farer future, but also on how they view themselves and their possibility to reach independence in the short term. Despite the methodological difficulties in making young people speak about a long-term future, this paper investigates how they see their late adulthood, through reflecting on how their narratives play out different temporal horizons to achieve seemingly current priorities. Empirically, it is substantiated by essays on the future written by 18-year-old Sardinian students, and discusses in particular an emphasis that was put on 'retirement' as a moment of accomplishment of family values and ultimate identification with their context of origin.

 

Die Bedeutung von Zukunftsentwürfen für die gesellschaftliche Mobilität von Kindern und Jugendlichen

Prof. Sina-Mareen Köhler1, Maren Zschach2
1RWTH Aachen, 2Fernuniversität Hagen

Der Beitrag fokussiert auf die längsschnittliche Entwicklung von Zukunftsentwürfen 11- bis 17-Jähriger, wobei der Blick besonders darauf gerichtet ist, welche Vorstellungen die Befragten über zukünftige Lebensphasen generieren. In diesem Zusammenhang geht es um Prospektionen, die von den Befragten biographisch als Bewegung verstanden werden, denn sie basieren auf bisherigen Erfahrungen in der Vergangenheit und deren Bearbeitung in der Gegenwart. Davon ausgehend wird danach gefragt, wie die Kinder und Jugendlichen mit den an sie gestellten familialen und gesellschaftlichen Erwartungen sowie schulischen Leistungsanforderungen bezogen auf ihre Zukunft umgehen. Unter Rückgriff auf erziehungswissenschaftliche und sozialpsychologische Forschungsansätze soll dargestellt werden, welche Bedeutung schulischer Erfolg bzw. Misserfolg für die Zukunftsentwürfe der Kinder und Jugendlichen im Verlauf ihres Heranwachsens hat. Daneben wird der Einfluss der Familie sowie der Peers auf Vorstellungen vom weiteren Leben analysiert. Berücksichtigt wird zudem, welche Rolle gesellschaftliche Mobilität für die Zukunftsentwürfe spielt und inwiefern biografische Ressourcen und die fortwährende Identitätsarbeit der in vier Erhebungswellen Befragten damit zusammenhängen. Die Materialgrundlage dafür bildet ein Reservoir von jeweils über 20 Einzelinterviews, die mithilfe der dokumentarischen Methode ausgewertet wurden.

 

Zwischen Vergangenheit und Zukunft in Bewegung: Zeitlichkeit im Familienleben

Dr. Sebastian Schinkel
Universität Duisburg-Essen

Im Zusammenleben als Familie (hier mit Fokus auf das Verhältnis von Kindern und ihren Eltern) werden je spezifische Umgangsweisen mit Zeit gepflegt und Perspektiven auf individuelle Zeitlichkeit entworfen. Dabei ist naheliegend, dass die gelebten Zeitlogiken aufgrund verschiedener Erfahrungsräume, Lebenslagen und Lebensentwürfe unterschiedlich verfasst sind und ausagiert werden. Bildungs- und familienpolitisch hat die Bedeutsamkeit von Zeitinvestitionen in Bildung sowie eine reflexive Haltung zu Lebenslaufentscheidungen in den vergangenen Dekaden massiv zugenommen. Daher stehen alltägliche Zeitpraxen sowie Lebensverlaufsplanungen zunehmend in einem Diskurs der biografischen Zukunftssicherung zur Mobilisierung "adäquater" Selbsttechniken. Der Beitrag zielt vor diesem Hintergrund darauf ab, die familialen Logiken wahrgenommener Strukturierungs- und Planungsanforderungen (nicht zuletzt auch in ihrer Widerständigkeit) zu explorieren. Die empirische Basis bilden dokumentarische Rekonstruktionen von Gruppendiskussionen im Rahmen des Zusammenlebens zur Alltagsorganisation, narrative Interviews zum Hintergrund des Aufwachsens der einzelnen Eltern sowie Kinderinterviews mit Grundschulkindern. Wie wird etwa ein Älterwerden der Kinder im Zusammenleben antizipiert und entworfen? Die Zeitperspektiven werden in der laufenden Studie hinsichtlich gemeinsamer Tradierungen wie auch in ihrer innerfamilialen Divergenz untersucht.

 

Selbstkonstitution, Biografie und Lebensführung im Kontext von Beschleunigungs- und Optimierungslogiken

Julia Schreiber
Sigmund-Freud-Institut, Frankfurt am Main

Beschleunigungs- sowie Flexibilisierungstendenzen in spätmodernen westlichen Gesellschaften, so der Ausgangspunkt dieses Beitrags, bedingen spezifische Varianten des Umgangs mit der Zeit und nehmen Einfluss auf Muster der Lebensführung und biografische Verläufe. Sie erfordern auf individueller Ebene eine zunehmende Effizienzsteigerung und (zeitliche) Optimierung, während zugleich institutionelle und ökonomische, soziale und biografische Sicherheiten und Planbarkeiten verloren gehen. Neben dieser Veränderung von Lebensumständen und institutionellen Bedingungen als direkte Effekte beschleunigter Zeitverhältnisse sollen im Fokus des Beitrags auch die indirekten Effekte dieser Entwicklungen stehen: Entlang konzeptioneller Perspektiven und exemplarischer Skizzen von Fällen aus der Forschung werden die Wirkungen gesellschaftlicher Transformationsprozesse auf die Beziehung zum Selbst und die Beziehungen zu anderen erörtert. Dabei sollen aus einer sozialpsychologisch-soziologischen Perspektive insbesondere die (kontra-)produktiven und (de-)mobilisierenden Folgen veränderter Zeitstrukturen für die Konstitution von Selbstverhältnissen, für Bildungs- und Sozialisationsprozesse sowie biografische Verläufe beleuchtet werden.

 

Die Vielfalt und Veränderlichkeit zeitlicher Erfahrung im Lebenszeitkontext

Dr. Marc Wittmann
Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene, Freiburg

Aufbauend auf einer kursorischen Darstellung der Bedeutung der Zeitwahrnehmung im alltäglichen Kontext werden grundlegende psychologische Aspekte der Veränderlichkeit von Zeiterfahrung diskutiert. Grundsätzlich ist das Erleben von Zeit an unsere momentane Befindlichkeit, die Aufmerksamkeit und das Gedächtnis gekoppelt. Jüngste Forschungsarbeiten zeigen, wie eng Zeitwahrnehmung und Körpererleben zusammenhängen. Man kann gar sagen, dass die Körperprozesse unser unmittelbares Zeiterleben im jeweiligen Moment schaffen. Neben der unmittelbaren Erfahrung des Zeitverlaufes ist die Beurteilung der Dauer von vergangenen Lebensabschnitten abhängig von episodischen Gedächtnisinhalten. Ein Faktor für das Gefühl, dass die Zeit immer schneller vergeht, je älter wir werden, ist die zunehmende Lebenserfahrung. Die zunehmende Routine führt zu weniger abgespeicherten Erlebnissen und damit zu einer zunehmend als kürzer erlebten Lebenszeit. In diesem Vortrag wird die Vielfalt der Zeiterlebnisse, von der Zeitperspektive von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowie das Erleben von Zeitverlauf und Dauer miteinander verschränkt. Aus den Ausführungen lässt sich ableiten, auf welchen Faktoren die Wahrnehmung der "beschleunigten" Zeit beruht und wie umgekehrt das Gefühl von subjektiver Zeitdehnung erreicht werden kann. Abhängig von der Dominanz der Gegenwarts- und Zukunftsorientierung wird der subjektive Zeitverlauf "beschleunigt" oder "abgebremst".



 
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