Conference Agenda

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Session Overview
Session
SY-I-20: Embodiment(s): Phenomenological ‘DoubleMovement’ between educational theory and bodily practice in pedagogical fields
Time:
Monday, 19/Mar/2018:
12:30pm - 3:00pm

Session Chair: Prof. Malte Brinkmann, Humboldt-Universität zu Berlin
Location: R12 R06 A69
40 Plätze
Session Topics:
qualitative, Social Pedagogy/Education and Social Work, Socialization and Biographical Research, School Development and Research, Research on Learning and Instruction, Early Childhood/Family Education, Educational Theory, Philosophy of Education, General Education, theoretical, Movements of Thinking in Educational Science

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Presentations

Verkörperungen. Phänomenologische DoppelBewegungen zwischen erziehungswissenschaftlicher Theorie und leiblichen Praxen in pädagogischen Feldern // Embodiment(s): Phenomenological ‘DoubleMovement’ between educational theory and bodily practice in pedagogical fields

Chair(s): Prof. Malte Brinkmann (Humboldt-Universität zu Berlin)

In pädagogischen Situationen sind die Körper der Beteiligten zu- und miteinander in Bewegung. Wie können bewegte Verkörperungen Thema von Forschungen werden? Ausgangspunkt ist die phänomenologische Perspektive auf Verkörperung als kinästhetische Bewegung, die sich als Bezug des Leibes auf sich selbst und auf andere, auf materielle oder imaginäre Objekte sowie auf Geistiges richtet. Die Beiträge diskutieren das Konzept Verkörperung als Verschränkung von Körper und Leib im Kontext von Kognition, Sprache, Sinn und Sozialität. Sie nehmen den aktuellen, internationalen Diskurs um Verkörperung in Auseinandersetzung mit den Neurowissenschaften, der poststrukturalistischen Diskurstheorie, der Hermeneutik und der Kultur- und Bildwissenschaft sowie der kulturwissenschaftlichen Zeige- bzw. Gestenforschung auf. Diese interdisziplinären Perspektiven werden in einer DoppelBewegung in unterschiedlichen pädagogischen Feldern aufgesucht und mit Beispielen aus der empirischen Forschung veranschaulicht.

 

Presentations of the Symposium

 

Verkörperungen: Leibliche Dimensionen von Kommunikation zwischen pädagogischen Fachkräften und Kindern in Kindertageseinrichtungen

Prof. Ursula Stenger, Uta Thörner
Universität zu Köln

Der Beitrag nimmt Kommunikationsbewegungen zwischen Fachkräften und Kindern in Kitas mithilfe einer Verschränkung differenter Theorieperspektiven in den Blick. So kann mit poststrukturalistischen, diskursanalytischen Zugängen (Foucault, Butler) die subjektivierende Ansprache des Kindes vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und kultureller Normen herausgearbeitet werden. Die phänomenologische Perspektive sucht das Vollzugsgeschehen als leiblich-körperliches in seiner Bewegung sichtbar zu machen. Untersucht wird, wie Fachkräfte und Kinder in ein wechselseitiges Antwortgeschehen eintreten (Waldenfels) oder, im Anschluss an Merleau-Ponty und Nancy, körperlich-leiblich als je „einer von beiden“ agieren und damit zugleich singuläre und gemeinsame Handlungen und Perspektiven entwickeln. Anhand von Videoszenen werden diese exemplarisch herausgearbeitet. Es wird damit ein Zugang zu leiblich-körperlichen Bewegungen eröffnet, der für frühpädagogische Forschung und Praxisentwicklung wichtig ist.

 

Pädagogisches Verstehen. Zur Theorie und Empirie einer interkorporalen Ausdruckshermeneutik

Prof. Malte Brinkmann
Humboldt-Universität zu Berlin

Der Beitrag möchte die in der Erziehungswissenschaft wenig beachtete Praxis und Theorie des pädagogischen Verstehens (vgl. Gaus et.al. 2006) im Sinne einer Ausdruckshermeneutik interkorporaler Symbolik reformulieren (vgl. Brinkmann 2017). Mit der Perspektive auf Verkörperungen des bewegten Leibes wird mit Bezug auf phänomenologische, kulturwissenschaftliche und ästhetische Theorien (Heidegger, Derrida, Mersch) in der Performativität des leiblichen Ausdrucks Performanz und Materialität unterschieden. Während in der Materialität kulturelle Symbole dekodierbar bleiben, wird in der wiederholenden Performanz der Verkörperung ein Ereignis sichtbar, das sich nicht symbolisch dekodieren lässt. Die interkorporale Symbolik kann so von der Symbolik kultureller Ordnungen unterschieden werden. Die Verschiebung weg vom Diskurs und Dialog hin zum Leiblichen und Impliziten führt zu einer Ausdruckshermeneutik, die sich deutlich sowohl von älteren hermeneutischen (Dilthey, Gadamer) als auch von neueren sprechakt-theoretischen (Austin) und diskurstheoretischen (Butler) Ansätzen unterscheidet. Sie wird an Beispielen aus der phänomenologisch orientierten Videographie veranschaulicht. In einem Ausblick kann sie a) als Modell pädagogischen Verstehens in pädagogischen Situationen und Relationen und b) als Perspektive einer an DoppelBewegungen orientierten Bildungsforschung fruchtbar gemacht werden.

 

For an Embodied education through a phenomenological perspective

Dr. Denis Francesconi
University of Bologna

In the last decades, the concept of embodied cognition (EC) has gained a great momentum in the scientific community in many domains (Gallagher 2011, 2012). Although there is little consensus about the exact role it plays over and above more traditional approaches that focus on neurocentric explanations, recent developments have started to highlight potentialities of a meaningful convergence of EC with education, especially following a phenomenological approach in education. A careful theoretical reflection on this convergence, however, is still lacking or insufficient when compared with those made so far in other disciplines.

A meaningful contribution of EC to education can be found in the re-evaluation of the role of the body in educational experiences. Following the phenomenological idea of “double movement” in this presentation I will start by briefly outlining the origin of this tradition; I then proceed by describing the epistemological issue deriving from the unusual triangulation of cognitive science, phenomenology and education (Tarozzi/Francesconi 2012, 2013). Finally, I will provide some examples of practical application of a phenomenological embodied education in the field of non-formal education, namely in working with adolescents outside school. Here, a phenomenological approach will be presented as an effective pedagogical practice to deal with at-risk adolescents, focusing in particular on bodily education as subjective expression of physical movement.

 

Geste, Stimmung und Bewegung – leibliche Dimensionen der Sozialität im Schulunterricht

Sales Severin Rödel
Humboldt-Universität zu Berlin

In diesem Beitrag werden Gesten und Bewegungen im Schulunterricht als Verkörperungen gedeutet, in denen sich Lehrende und Lernende auf eine bestimmte Weise selbst zeigen. Damit sind sie nicht mehr nur intentional-repräsentative Zeigegesten, die auf die Synchronisierung von Lernen und Erziehen zielen (Prange 2005), sondern können als zwischenleibliche Ausdrücke verkörperter Selbstverhältnisse gesehen werden, die die pädagogische Situation auf eine bestimmte Weise rahmen.

Ausgehend von Überlegungen zur pädagogischen Atmosphäre und Situation (Bollnow 1961, Schultheis 1995) wird nach der Rolle der Leiblichkeit, der Verkörperung und der Bewegung (Hartnack 2016) für eine schulunterrichtliche Atmosphäre, die durch Sozialität, die Präsenz des Dritten (Rödel 2015) sowie durch Interattentionalität (Brinkmann 2016) geprägt ist, gefragt. Daran anschließend kann unter Einbezug von Erkenntnissen der Gestenforschung (Wulf et al. 2011, Boehm 2007) die Doppelstruktur von Gesten und Bewegungen im schulischen Unterricht genauer betrachtet werden: Diese sind sowohl als intentionale Gesten (Zeigen, Lehren) und als gestische Verkörperung (bzw. verkörperte Gesten) eines bestimmten Selbst- und Weltverhältnisses zu fassen. In einer theoretisch-empirischen Austauschbewegung werden diese Annahmen abschließend durch Beispiele aus der phänomenologischen Videographie angereichert und neu befragt. Der Beitrag eröffnet so Perspektiven für eine leib- und verkörperungstheoretische Unterrichtsforschung.



 
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