Conference Agenda

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Session Overview
Session
SY-I-06: Bewegte Zeiten: Geschichte der Exklusion und Inklusion im Erziehungssystem
Time:
Monday, 19/Mar/2018:
12:30pm - 3:00pm

Session Chair: Prof. Vera Moser, Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Rehabilitationswissenschaften
Session Chair: Prof. Patrick Bühler, Pädagogische Hochschule FHNW
Location: R12 R03 A69
40 Plätze
Session Topics:
qualitative, Special Education, History of Education, theoretical, Movements of Thinking in Educational Science

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Presentations

Bewegte Zeiten: Geschichte der Exklusion und Inklusion im Erziehungssystem

Chair(s): Prof. Vera Moser (Humboldt-Universität zu Berlin), Prof. Patrick Bühler (FHNW Basel, Schweiz)

Discussant(s): Prof. Anja Tervooren (Universität Duisburg-Essen), Prof. Marcus Emmerich (Universität Tübingen)

Derzeit wird genauso heftig über Inklusion in Schulen gestritten, wie man schon über Integration debattiert hat. Diese eher ahistorische Unterscheidung von schlechter alter Integration und guter neuer Inklusion, die in Deutschland quasi transzendentalen Charakter erlangt hat, rückt die Frage nach allgemeinen In- und Exklusionsprozessen im Erziehungssystem in den Hintergrund. Versteht man aber Integration bzw. Inklusion nicht nur als pädagogisches Programm, sondern Inklusion/Exklusion als grundlegende soziale Operation (z.B. Emmerich/Hormel 2012), dann ist das Phänomen von Inklusion/Exklusion nichts Neues. Daher untersucht das Symposium, wie Inklusion/Exklusion seit der Entstehung staatlicher Erziehungssysteme – auch unter Einbezug trans- und internationaler Entwicklungen – am Beispiel von Behinderung legitimiert wird. Geprüft werden dabei sowohl Diskontinuitäten von Inklusions- und Exklusionssemantiken und -praktiken als auch deren mögliche Prozessierung in einer longue durée.

 

Presentations of the Symposium

 

Die Veränderung des Bildsamkeitskonzepts im Verlauf der Bildung sog. geistig behinderter Kinder in seiner Bedeutung für Inklusions- und Exklusionsprozesse

Prof. Bettina Lindmeier
Universität Hannover

In der ‚Idiotenerziehung’ entstand im Verlauf des 19. Jhdt. nach einer bildungsoptimistischen Phase mit der Zielsetzung der ‚Heilung’ oder deutlichen ‚Besserung’ durch Bildung eine theoretisch kaum begründete Abgrenzung bildungsfähiger und bildungsunfähiger, pflegebedürftiger Kinder. Dabei enthalten einige Schriften durchaus Konzepte zur Pflege und Beschäftigung, die eine Förderung in verschiedenen Entwicklungsbereichen umfassen, wie sie frühere Autoren (bspw. Seguin, Georgens und Deinhardt) als Teil der Bildung definieren. Zeitlich etwas später, etwa zugleich mit der Entstehung des ‚Schwachsinns’-Konzepts im Kontext der Hilfsschule , findet eine Verlagerung der Definitionsmacht von der Pädagogik zur Psychiatrie statt, und ‚geistige Behinderung’ wird nicht mehr als durch ein Gesundheitsproblem entstandene Schädigung, sondern als anhaltende, Psychiatrisierung erfordernde Erkrankung verstanden, wodurch Bildung an Bedeutung verliert. Der Beitrag zeichnet diese Entwicklungen anhand von deutschsprachigen Quellen nach und diskutiert die Kontinuität der In-/Exklusionsprozesse im Bildungssystem.

 

„Aber Österreich darf nicht zurückbleiben!“ Zur Etablierung der Hilfsschule in Wien um 1900

Dr. Christian Stöger
Wien

1907 kehrt ein Protagonist der Wiener Hilfsschulbewegung von einer einmonatigen Reise durch die deutsche Hilfsschullandschaft in seine Heimatstadt zurück, stößt den im Titel angegebenen Stoßseufzer aus und beklagt – einen geläufigen Topos nutzend – die österreichische Rückständigkeit im Ausbau der Hilfsschule (Miklas 1907). Der hier behaupteten Differenz zwischen der deutschen und österreichischen Entwicklung soll nachgegangen werden. Der Beitrag will erstens die Anfänge und Expansion der österreichischen bzw. schwerpunktmäßig der Wiener Hilfsschulbewegung bis etwa 1918 skizzieren (van Linthoudt 1978; Severinski 1998). Zweitens sollen Schlaglichter auf das Selbstverständnis der österreichischen Akteure geworfen werden: auf ihre gesellschaftlichen Leitvorstellungen sowie die professionellen Legitimationsstrategien (etwa im Blick auf die Einzäunung ihrer Klientel oder eine beanspruchte spezifische Methodik). Charakteristika dieser Hilfsschul-Programmatik sollen sich herausstellen, indem nach den Modi der Abgrenzung gegen die Welt der Volksschule sowie gegen heilpädagogische „Vorgänger“ in Österreich gefragt wird. Dabei soll sich ansatzweise die Bedeutung aufhellen, die das rhetorisch stark bemühte deutsche Vorbild für die inhaltliche Ausrichtung der Hilfsschulbewegung in Österreich besaß.

 

„Eine Eintheilung nach dem Grad der geistigen Infirmität[…] ist schwierig durchzuführen.“ Beobachtungen zur Kategorisierung von Idiotie um 1900

Jona Garz
Humboldt-Universität zu Berlin

Bisher liegen in Bezug auf die Entwicklung der Hilfsschule in Deutschland professionsbezogene (Ellger-Rüttgardt 1980, Möckel 1988, 2001, Hänsel/Schwager 2004) oder sozialgeschichtliche Forschungsperspektiven (Jantzen 1982, Altstaedt 1977, Fittje 1986) sowie einige lokalgeschichtliche Studien vor, in denen die Entwicklung der Hilfsschule als ein vorwiegend caritatives und/oder professionsgesteuertes Projekt dargestellt wird, das im Kontext der Industrialisierung insbesondere auf die gestiegenen Leistungsanforderungen und -überprüfungen in der Volksschule reagiert und hier auch Selektionsabsichten verfolgt habe. Diese These bleibt durch entsprechendes Quellenmaterial allerdings eigentümlich unbelegt und widerspricht der Volksschulforschung, die in der Volksschule zuallererst eine Erziehungs- und keine Allokations- oder Selektionsfunktion erkennt (Kuhlemann 1992; Geißler 2011).

Alleinige professions- oder sozialgeschichtliche Perspektiven greifen demnach zu kurz. Insofern nimmt der Beitrag genauer die diskursive Auseinandersetzung um Kinder, die separat in Hilfsschulen zu beschulen seien, in den Blick. Dabei spielt insbesondere die Bedeutung der Begriffstrias ‚normal – anormal - Anomalie‘ eine Rolle. Gezeigt wird, entlang welcher Aussagen sich die Grenze des Ausschlusses des_der Hilfsschüler_in etabliert.

 

The subject of attention: Disability, senses and the rise of attentiveness in special education

Prof. Pieter Verstraete, Nele Reyniers
Universität Leuven

On the basis of his experience with education of “feebleminded” children the Belgian friar Ebergiste de Deyne published in 1922 a handbook on sensorial education of abnormal children. In his book de Deyne quickly turns to the subject of attention and explains that his educational program most importantly has to focus on exercises which stimulate the auditory, visual and bodily attention (De Deyne, 1922). By educating the senses with a view to stimulating attentiveness the behaviours of the abnormal child, its peers and its teacher are shaped and curved along the lines of what has been called the subject of attention (Sobe, 2014). Although the history of special education, as well as the history of attention, already have been examined to a large extent (Jütte, 2005; Crary, 1999; Hagner, 2003), it seems that to date scholars have neglected the subject of attention. In line with what has been called the new cultural history of education, the contribution aims to write a genealogy of attention in the context of special education (Foucault, 1982). The focus of the paper will be on the work of Jean-Marc Itard, Edouard Séguin, Maria Montessori and Ebergiste De Deyne. By tracing back their interpretation and use of “attention”, the contribution will demonstrate how sensorial exercises and the corresponding rise of attentiveness have played a crucial role in debates about exclusion and inclusion of children that are deemed in one way or another to be “abnormal”.



 
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