Conference Agenda

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Session Overview
Session
AG-II-26: Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Bildungsinstitution und Familie in Deutschland und Finnland: Zur Dekonstruktion eines idealisierten Begriffs
Time:
Wednesday, 21/Mar/2018:
9:00am - 11:30am

Session Chair: Britta Schäfer, Goethe-Universität Frankfurt
Session Chair: Nicoletta Eunicke, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Session Chair: Prof. Tanja Betz, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Location: R12 R07 A69
40 Plätze
Session Topics:
qualitative, Primary Education, General, Early Childhood/Family Education, Sociology of Education, not closely related

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Presentations

Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Bildungsinstitution und Familie in Deutschland und Finnland: Zur Dekonstruktion eines idealisierten Begriffs

Chair(s): Britta Schäfer (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Nicoletta Eunicke (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Prof. Tanja Betz (Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Discussant(s): Prof. Peter Cloos (Stiftung Universität Hildesheim)

In Deutschland und Finnland gibt es markante Bildungsungleichheiten. Es wird breit diskutiert wie diesen entgegengewirkt werden kann und hierzu auf politischer, handlungsfeldbezogener und erziehungswissenschaftlicher Ebene eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Familie und Kindertageseinrichtung bzw. Grundschule eingefordert, in der sich Eltern und Fach-/Lehrkräfte als „Partner auf Augenhöhe“ begegnen. Während bislang kaum empirisches Wissen über Partnerschaft vorliegt, ist das Konstrukt sehr positiv besetzt. In vier empirischen Beiträgen, deren gemeinsame Klammer kritische Fragen an das Ideal der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft sind, wird aus verschiedenen disziplinären, theoretischen und metho(dolog)ischen Perspektiven die Debatte sowie die früh- und grundschulpädagogische Praxis in Deutschland und Finnland analysiert. Die Studien spiegeln die Komplexität des Phänomens Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Familie und Bildungsinstitution wider.

 

Presentations of the Symposium

 

Expansive Pädagogik und die Umgarnung der Eltern. Ideologiekritische Betrachtungen zur Bildungs- und Erziehungspartnerschaft.

Dr. Steffen Großkopf
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Von der ,Elternarbeit zur Bildungs- und Erziehungspartnerschaft‘ titeln seit der Jahrtausendwende zunehmend Bücher und Aufsätze, die sich mit dem Verhältnis von Familie und institutioneller Erziehung auseinandersetzen (Reinecke-Terner 2017). Das gilt auch für den Vorschulbereich (Textor 2000). Im Beitrag werden Ergebnisse aus einem laufenden Habilitationsprojekt vorgestellt. Die genannte Begriffsverschiebung wird dabei im Kontext einer umfassenderen Neukonstellation des Verhältnisses von privater und öffentlicher Erziehung verortet und die These aufgestellt, dass die Erziehungswissenschaft und ihre Pädagogik interessierte Profiteure der Entwicklungen sind. Es geht dabei vor allem um eine veränderte Semantik, die sich auch in der wissenschaftlichen Reflexion zeigt. So zeichnet sich mit den Begriffsverschiebungen eine Harmonisierung ab, die auch in der wissenschaftlichen Beschreibung zu einer konfliktexkludierenden, nahezu totalisierenden, Perspektive führt. Am Beispiel zweier Handbucheinträge wird dies verdeutlicht (Schock 1975; Stange 2014) und der Blick diskursanalytisch und ideologiekritisch erweitert (Großkopf 2013).

 

(Gem)Einsames Handeln von Eltern und Fachkräften – Zur Reproduktion sozialer Ungleichheiten in Kindertageseinrichtungen

Britta Schäfer
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Der Schlüssel zu Chancengleichheit wird in den letzten Jahren verstärkt in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung gesehen, weshalb auch für diesen Bereich die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft im fachpolitischen Diskurs als wichtiges Ziel formuliert wurde (Fröhlich-Gildhoff 2013). Vor diesem Hintergrund wird im Beitrag aus ungleichheitstheoretischer Perspektive die Frage gestellt, inwiefern in Interaktionen, Praktiken und sozialen Prozessen an der Schnittstelle von Institution und Familie Bildungsungleichheiten in frühpädagogischen Kontexten entstehen und/oder reproduziert werden (Betz et al. 2017). Es werden Ergebnisse aus dem Projekt „Kinder zwischen Chancen und Barrieren: Wie Eltern, Kinder, Kita und Schule interagieren“ (Goethe-Universität/Bertelsmann Stiftung) vorgestellt und diskutiert. In diesem wird das (gemeinsame) Handeln zwischen Fachkräften und Eltern sowie deren Handlungsorientierungen betrachtet. Dafür wurden in den Jahren 2016-2017 ethnographische Beobachtungen und qualitative Interviews zu mehreren Zeitpunkten in vier Einrichtungen unterschiedlicher Trägerschaft (Hessen/Baden-Württemberg) durchgeführt. Die Erhebungen legen heterogene Vorstellungen und Wünsche an Bildungs- und Erziehungspartnerschaft offen und indizieren ungleichverteilte Gestaltungs- und Handlungsmöglichkeiten von Eltern und Fachkräften. Schlussfolgerungen für Möglichkeiten und Grenzen von Bildungs- und Erziehungspartnerschaft werden abgeleitet.

 

Academic socialization and children’s participation in Finnish preschool

Dr. Mari Vuorisalo
University of Tampere, Finnland

Academic socialization refers to parents' various practices to convey the meaning of education to their child (Hill & Tyson 2009). It is a form of parental involvement (Hill & Tyson 2009) which is seen as highly relevant for academic success, education processes and also for children's participation (Betz et al. 2017). The paper bases on idea, that family outfit child with certain resources (Lareau 2011), in which academic socialization plays an important part. The paper will analyze how parents' of 3 to 5 year old children construct their perceptions of their child's preschool and how they position themselves in research interviews as co-operation partners with preschool professionals, and how these perceptions might be recognized in the daily practices of the Finnish preschool context. This may lead to diverse, but also unequal, possibilities for parents and their children to participate in preschool. The encounters of various families and daily practices in preschool are understood as structured and structuring processes by utilizing Bourdieu's relational sociology (Alanen, Brooker & Mayall 2015).

The paper rests on an educational ethnographic post-doctoral research in a Finnish private preschool. The data consist of ethnographic field work in the preschool and interviews with parents. The preliminary results shows that parents' active partnership with educators is rather low. That emphasizes the importance of academic socialization as a form of parental involvement.

 

„Partner auf Augenhöhe“? Ungleiche Positionierungen und Handlungsorientierungen von Schüler/innen in der Zusammenarbeit von Familie und Grundschule

Nicoletta Eunicke
Goethe-Universität Frankfurt am Main

In politischen und fachlichen Debatten um Bildungs- und Erziehungspartnerschaft wird mit Formulierungen wie „zum Wohl der Kinder“ vielfach suggeriert, dass die Kinder im Zentrum solcher ‚Partnerschaften‘ stehen. Ein näherer Blick aber zeigt, dass deren Perspektiven und Beiträge zur Zusammenarbeit nicht thematisiert werden. Dies trifft mehrheitlich auch auf erziehungswissenschaftliche Auseinandersetzungen mit dem Verhältnis von Familie und Grundschule zu (Betz et al. 2017).

An dieser Leerstelle setzt der Beitrag aus kindheits- und ungleichheitstheoretischer Perspektive an. Insofern wird von einer Akteurschaft von Kindern ausgegangen und von der Relevanz der Ungleichheitsdimension generationale Ordnung für die Positionen und das Handeln von Kindern (Honig 2009).

Empirische Grundlage bildet das qualitative Kooperationsprojekt „Kinder zwischen Chancen und Barrieren: Wie Eltern, Kinder, Kita und Schule interagieren“ (Goethe-Universität/Bertelsmann Stiftung). Auf Basis von 50 Einzelinterviews und 15 Gruppendiskussionen mit Schüler/innen aus fünf 3. Klassen wurden mit der dokumentarischen Methode Handlungsorientierungen rekonstruiert. Diese zeigen, wie Kinder das Verhältnis von Familie und Grundschule sehen, welche Erfahrungen sie mit Zusammenarbeit machen und wie sie diese als sozial und generational ungleich positionierte Akteure mitgestalten. Mit den empirischen Erkenntnissen werden kindheitstheoretische Implikationen für das Verhältnis von Familie und Grundschule erörtert.



 
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