Conference Agenda

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Session Overview
Session
SY-II-27: „Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“? Jugend, Protest & Partizipation
Time:
Wednesday, 21/Mar/2018:
1:30pm - 4:00pm

Session Chair: Prof. Christine Wiezorek, Justus-Liebig-Universität Gießen
Location: S05 T03 B94
40 Plätze, Seminarraum
Session Topics:
qualitative, quantitative, Social Pedagogy/Education and Social Work, Civic and Political Education, General Education, theoretical, Social and religious Movements in Relation to Education and Learning

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Presentations

„Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“? Jugend, Protest & Partizipation

Chair(s): Prof. Christine Wiezorek (Universität Gießen)

Die Jugendbewegung Anfang des 20. Jh. prägte nicht nur nachhaltig das Selbstverständnis von Pädagog*innen, sondern beförderte überhaupt die Etablierung jugendpädagogischer Handlungsfelder. Zugleich waren die Geselligkeitsformen der Jugendbewegung mit dem Selbstanspruch verbunden, zur kulturellen Erneuerung der Gesellschaft beizutragen.

Heute sind Jugendkulturen längst nicht mehr der Ort lautstark zum Ausdruck gebrachter alternativer Sinnstiftung. Fragen gesellschaftlicher Partizipation und politischer Selbstverortung scheinen dennoch sowohl in jugendlichen Selbstinszenierungen, als auch in der Jugendarbeit eine nicht unbedeutende Rolle zu spielen. Hier stellt(e) sich immer wieder die Frage, inwiefern jugendkulturelle Verortungen politische Haltungen zum Ausdruck bringen, die auf gesellschaftliche Veränderung zielen und die - zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche -gesellschaftliche und pädagogische Antworten evozieren.

Die Beiträge dieses Symposiums gehen dieser Frage nach.

 

Presentations of the Symposium

 

Von den protestbezogenen zu den selbstbezüglichen Jugendkulturen – Zum semantischen Wandel von Jugendstilen

Marcel Eulenbach1, Prof. Thorsten Fuchs2
1Universität Gießen, 2Universität Koblenz

Jugendkulturelle Gemeinschaften waren und sind immer auch Stilgemeinschaften. Bei protestbezogenen Jugendkulturen dient der Einsatz von Stilen als semiotisch komplexe Einheiten, die etwa Kleidung, Körpergestaltung, Sprache und Verhalten integrieren, nicht nur der Vergemeinschaftung; er verweist auch auf Einstellungen, Orientierungen, Erfahrungen und Kritikmuster des Einzelnen. Diese sind subjektiv als Protest gemeint und werden in der Außenbeobachtung (in Öffentlichkeit, Politik und Pädagogik) auch so wahrgenommen. Der Beitrag geht auf die semantischen Gehalte der Stile von protestbezogenen Jugendkulturen ein, denen Beispiele jugendkultureller Stilbildung der Gegenwart gegenübergestellt werden. Leitend ist dabei die These, dass gesellschaftliche Individualisierungsprozesse zu einer gesellschaftlichen Normalisierung von Jugendkulturen bei gleichzeitigem Rückgang ihres ‚Protestpotenzials‘ geführt haben. Dabei soll aufgezeigt werden, dass Jugendkulturen zwar in eine – Individualisierungsprozessen geschuldete – Phase der Normalisierung eingetreten und nicht mehr durch ostentativen Protest gekennzeichnet sind, im Medium des Stils aber noch immer Kritik an bestimmten Lebensbedingungen geübt wird, der prinzipiell auch eine gesellschaftspolitische Bedeutung zukommt.

 

Aufbegehren durch Selbstverortung in der Offenen Arbeit. Junge Frauen in subkulturellen Szenen in der DDR

Dr. Anne Stiebritz1, Claudia Kühn2
1Universität Jena, 2Universität Bamberg

Subkulturelle Szenen waren für junge Menschen in der DDR ein Erfahrungsraum, in dem sie den vielfach staatlich normierten pädagogischen Räumen entfliehen, gegen erlebte Bevormundung und ideologische Beanspruchung aufbegehren und ästhetische Selbstverortungen erproben konnten. Nach den „Bluesern“ differenzierten sich die jugendkulturellen Szenen in den 1980er Jahren zunehmend aus (vgl. Ohse 2003). Im Unterschied zur BRD avancierten in der DDR die Kirchen zum gesellschaftlichen Ort, an dem sich junge Menschen ästhetische Erfahrungsräume erschließen konnten. Damit zusammenhängend etablierte sich die Offene Arbeit als pädagogisches Handlungsfeld.

Vor diesem Hintergrund thematisiert der Vortrag die Bedeutung, die junge Frauen der Offenen Arbeit in der DDR als subkulturellem Erfahrungsraum zuschreiben, der es ermöglichte, „die Grenze n bißchen [zu] verschiebn“ (Lena Fuchs). Ausgangspunkt stellen vier narrativ-biographische Interviews dar, die nach dem Spannungsfeld der Ermöglichung subkultureller Selbstverortung – hier in der Blues- und Punksubkultur – und gesellschaftlich-politischer Normalisierungsbestrebungen untersucht werden. Im Fokus stehen Erfahrungsräume, die die Kirche in Auseinandersetzung mit den subkulturellen Stilen der Jugendlichen als auch religiösen Inhalten und Formen entwickelt hat.

Literatur: Ohse, M. D. (2003): Jugend nach dem Mauerbau. Anpassung, Protest und Eigensinn (DDR 1961 – 1974). Christoph Links Verlag: Berlin.

 

Young people’s perceptions of youth and culture in post-conflict Northern Ireland

Dr. Dirk Schubotz
Queen's University Belfast

In 1998 the Belfast (Good Friday) Agreement was signed which de facto institutionalised the peace process in Northern Ireland. Whilst there have been occasional set-backs, and progress has not been the same for people from all backgrounds, in principle the peace process has resulted in the first post-conflict generation of young people, the first generation for four decades that has grown in the relative peace that Northern Ireland has experienced in the last 20 years. For 15 of these 20 years, namely since 2003, ARK (www.ark.ac.uk) has collected attitudes from young people in relation to community relations in Northern Ireland, but also education experiences, rights, health and many other issues. The vehicle for this Research is the annual Young Life and Times (YLT) survey, which was occasionally complemented with explorative participatory group discussions with young people.

In this presentation I will discuss how experiences of young people have changed over the last 15 years. I will pay particular attention to issues of (youth) culture as well as on how these relate to a sense of belonging in the new and changing Northern Ireland. Do the traditional cleavages between Catholic and Protestant communities still exist? What about the growing number of young people who neither identify as Catholics nor Protestants? How does (youth) cultural awareness relate to a sense of identity and belonging?

 

Partizipation oder: Die Suche nach dem idealen Ort

Prof. Larissa Schwanenflügel, von1, Prof. Andreas Walther2, Yağmur Mengilli2, Dr. Axel Pohl2
1Frankfurt University of Applied Sciences, 2Universität Frankfurt

Welche Verständnisse von Partizipation und Politik sind angemessen, um jugendkulturelle Praktiken zu analysieren? Ob Praktiken Jugendlicher und junger Erwachsener als politisch gelten, ist eine Frage der Selbstpositionierung und des Positioniert-Werdens seitens der Erwachsenen. Doch können im Sinne des Politikbegriffs von Jacques Rancière scheinbar unpolitische jugendkulturelle Praktiken nicht selbst Zugänge zu Wandlungen des Politischen und der Öffentlichkeit sein? Der Beitrag präsentiert Befunde des EU-Projektes Spaces and Styles of Participation (PARTISPACE), das Praktiken Jugendlicher in formalen, non-formalen und informellen Räumen auf ihre partizipatorischen Potenziale hin untersucht. Im Gegensatz zu einem Verständnis von Partizipation als „Beteiligung an ...“ von Erwachsenen als relevant gesetzten Fragen und Aktivitäten, lassen sich viele dieser Praktiken als Bewegungen der Suche nach und des Schaffens von idealen Orten verstehen, an denen sich widersprüchliche Bedürfnisse und Herausforderungen, die sich individuell und kollektiv stellen, vereinbaren lassen: Distinktion und Zugehörigkeit, Sichtbarkeit und Geborgenheit, Ausprobieren und Anerkennung. Ob Jugendliche diese Orte im Jugendgemeinderat, in einer linken Politgruppe, im Jugendhaus, einer Sprayer-Crew oder einer Mädchenclique suchen und finden und wie sich diese Suche in der Heimerziehung gestaltet – lässt sich als Frage der Ungleichheit von Anerkennungserfahrungen analysieren.



 
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