Conference Agenda

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Session Overview
Session
SY-II-19: Design und Bildung: Post-digitale Transitionen im Verhältnis von Subjektivation, Macht und Selbstbestimmung
Time:
Wednesday, 21/Mar/2018:
1:30pm - 4:00pm

Session Chair: Prof. Benjamin Jörissen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Session Chair: Dr. Juliane Engel, FAU Erlangen-Nürnberg
Location: V15 R03 H55
50 Plätze, Seminarraum
Session Topics:
qualitative, Museum and Cultural Education/Theater Pedagogy, Media Education/Didactics, General Education, theoretical, Education in a digitalised World

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Presentations

Design und Bildung: Post-digitale Transitionen im Verhältnis von Subjektivation, Macht und Selbstbestimmung

Chair(s): Prof. Benjamin Jörissen (FAU Erlangen-Nürnberg), Dr. Juliane Engel (FAU Erlangen-Nürnberg)

Discussant(s): Prof. Torsten Meyer (Universität zu Köln), Prof. Manuel Zahn (Universität zu Köln)

Design ist eine Grundsignatur des 20. Jahrhunderts. Es steht für eine globale kulturelle Bewegung im diskursiven Schnittfeld von materieller Alltagspraxis, Ästhetik, Anthropologie und Ökonomie. Digitalisierung, die ihrerseits Lebenswelten und Praktiken erheblich transformiert, bedeutet zugleich eine enorme Ausweitung von Designprozessen: Die „Kultur der Digitalität“ (Stalder 2016) ist maßgeblich durch post-digitale Designprozesse geprägt. Vor diesem Hintergrund ist die Reflexion auf Design, beispielsweise im Rahmen ding-, raum- und prozesstheoretischer Perspektiven, von unmittelbarer Relevanz für die Erforschung von Erziehungs- und Bildungsprozessen. Das Symposium befragt Designdiskurse und -prozesse vor dem Hintergrund post-digitaler kultureller Transitionen hinsichtlich ihrer Bedeutung für die erziehungswissenschaftliche Forschung in erziehungs-, bildungs- und subjekttheoretischer Perspektive.

 

Presentations of the Symposium

 

Zur Einführung: Pädagogik als Subjektdesign

Prof. Benjamin Jörissen
FAU Erlangen-Nürnberg

Die Ubiquitarisierung von Design im Zuge industriell hergestellter Lebenswelten seit dem 19. Jahrhundert, verschärft durch digital basierte Lebenswelten in neuester Zeit, rückt seine performative Macht im Sinne der Hervorbringung – und "Bildung" – je bestimmter Subjektfigurationen – seien es Konsum-, Nutzer- oder Kreativsubjekte – in den Blick bildungs- und erziehungstheoretischer Reflexion. Die Linien dieses Zusammenhangs, so wird einführend und skizzenhaft aufgezeigt, bedürfen eines historischen Blicks auf die Zeit, in der erzieherische Designs, die Entstehung eines selbstgeführten bürgerlichen Subjektmodells, der Konnex von Ästhetik und Moralität sowie die Entstehung der Pädagogik als wissenschaftlicher Disziplin einen folgenreichen Chiasmus bildeten.

 

Bildung und die differenten Rationalitäten des Designs

Prof. Heidrun Allert, Christoph Richter
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Bildungsprogramme, Bildungssysteme und Technologien gehören zur Welt des Künstlichen. Sie entstehen aus menschlicher Bemühung und Intervention mit der Welt. In diesem Sinne sind sie Gegenstand des Designs, sei es in Form des Instruktionsdesigns, des pädagogischen Designs, der Curriculumsentwicklung oder der Gestaltung von Bildungsangeboten. Mit der Verbreitung von Design-Based Research Ansätzen in den Erziehungswissenschaften (z.B. van den Akker et al., 2006; Kelly, Lesh, & Baek, 2008; Plomp & Nieveen, 2009) ist auch Design als eine spezifische Form der Wissensgenerierung verstärkt in den Blick gerückt. Hierbei zeigen sich parallelen zu aktuellen Diskussionen im Bereich der Designforschung. Trotzdem fand der Umstand, dass Design sehr unterschiedliche Formen annehmen kann, die jeweils auf sehr verschiedenartigen Logiken, bislang nur wenig Beachtung (Richter & Allert, 2017). In diesem Beitrag zeichnen wir anhand von Beispielen nach, wie unterschiedlich das Verhältnis zwischen den „Designern“, den „Gegenständen des Designs“ und den „Anwendern“ verstanden und praktisch realisiert werden kann. Die entsprechenden „Handlungslogiken“ vermitteln dabei nicht zuletzt die Machtverhältnisse zwischen den Akteuren und die wechselseitige Verantwortungszuschreibung. Wir machen deutlich, dass es für ein Verständnis der Wirkung (digitaler) Technologien (auf Bildung) notwendig ist, neben den Produkten auch die Praktiken und die Logiken zu reflektieren, durch die die Technologien zustande kamen.

 

Design als praxisbasierte Wissenskultur

Prof. Claudia Mareis
FHNW, Basel

Seit einigen Jahren wächst die Tendenz, epistemische Praktiken und Wissenskulturen des Designs mit Vorgehensweisen der (Natur-)Wissenschaften zu vergleichen. Dabei werden insbesondere Entwurfspraktiken wie Skizzieren oder Modellieren als transdisziplinäre Methoden der Wissensproduktion aufgefasst. Zahlreiche Vorschläge und Perspektiven wurden sowohl innerhalb der Designdisziplinen als auch in den Geisteswissenschaften entwickelt, um einerseits einen Überblick der Gemeinsamkeiten und wechselseitigen Beeinflussungen beider Felder zu geben, andererseits aber auch ihre Unterschiede aufzuzeigen. Das Augenmerk hat sich in diesem Zusammenhang von einer produkt- zu einer prozessorientierten Perspektive auf das Design verschoben. Design wird nicht länger bloß als eine Tätigkeit angesehen, an deren Ende neue Produkte oder Waren entstehen, vielmehr wird davon ausgegangen, dass im Prozess des Entwerfens neues Wissen produziert werde. Innerhalb der Designforschung wurde mittels Konzepten wie „reflexive design“ (Donald Schön), „Design als Wissenskultur“ (Claudia Mareis) oder „designerly ways of knowing“ (Nigel Cross) versucht, Design als eine genuine Form der Wissensproduktion zu definieren bzw. diesen Ansatz zu problematisieren. Favorisiert werden dabei in der Regel praxisbasierte Forschungsansätze wie „research through design“.

 

Berührungen – zur Ästhetik von Subjektivationspraktiken

Dr. Juliane Engel
FAU Erlangen-Nürnberg

Im (post-)digitalen Zeitalter gewinnen mediale und materielle Praktiken nicht nur zentrale, sondern konstitutive Bedeutung für Subjektivierungsprozesse (Jörissen 2015, Miller 2005). Der practice und material turn stellen erstmals eine paradigmatische und methodologische Grundlage dar, um sie in ihrer Spezifik als relational-ästhetische Praktiken zu untersuchen. Galt es etwa lange Zeit als unbestritten vom Subjekt, oder Akteur, also dem Menschen auszugehend zu forschen und von ihm aus Bildungstheorien zu entwerfen, zeigt sich aktuell der Versuch, die Dinge, sowie ihre (mediale) Materialität stärker in den Vordergrund zu rücken und sie in ihrer Bedeutung für Bildungsprozesse ernster zu nehmen (Tervooren/Kreitz 2017, Thompson/Casale/Ricken 2016). Im Anschluss an diese Forschungsdiskurse nimmt der Beitrag transaktionale Gefüge (Dewey/Bentley 1989, Nohl 2018), also Berührungen (Waldenfels 2002), Verwicklungen (Rieger-Ladich 2017) und Verschmelzungen (Stieve 2015) zwischen Mensch und Ding in ihrer bildungstheoretischen Relevanz in den Blick. So haben die Dinge des alltäglichen Gebrauchs doch einerseits eingeschriebene, pre-designte Strukturen sowie sich andererseits Spuren ihrer praktischen (Um-) Nutzung zeigen. Im Anschluss an diese empirischen Ergebnisse des DFG-Projekts „Glokalisierte Lebenswelten" von Jugendlichen diskutiert der Beitrag, wie sich Modi der Relationierung zwischen (post-)digitalen Dingen und Menschen als Subjektivationspraktiken machtsensibel analysieren lassen.



 
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