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Sitzungsübersicht
Session
Öffentliches Podium II: Disziplin und Fachgesellschaft – verstrickt in pädagogische Gewaltverhältnisse?
Zeit:
Dienstag, 20.03.2018:
16:00 - 17:30

Chair der Sitzung: Prof. Dr. Christian JANSEN, Universität Trier
Ort: R14 R00 A04 Neues Audimax
1100 Plätze, Hörsaal
Fußgänger-Navigation für Smartphones

Gesprächsteilnehmer_innen

Prof. Dr. Sabine Andresen, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Prof. Dr. Andreas Hoffmann-Ocon, Pädagogische Hochschule Zürich
Prof. Dr. Barbara Rendtorff, Universität Paderborn
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Thiersch, Universität Tübingen

Zentrale Fragen für das Podium:

  • Welche Art der Aufarbeitung benötigt die Erziehungswissenschaft (wissenschaftliche Form und Forschungsinhalte)?
  • Was bedeutet die Auseinandersetzung mit Fragen der disziplinären (auch: fachgesellschaftlichen) Verstrickung für die Erziehungswissenschaft in Forschung und Lehre?

Zusammenfassung der Sitzung

2006 veröffentlichte Peter Wensierski sein Buch über die verdrängte Geschichte der Heimkinder, in dem er auf die Gewalterfahrungen der ehemaligen Heimkinder im Nachkriegsdeutschland öffentlich aufmerksam machte. 2009 nahm der Runde Tisch Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren der Bundesregierung seine zweijährige Arbeit auf. 2010 wurden eine Reihe von sexualisierten Übergriffen auf Kinder und Jugendliche in unterschiedlichen Internaten, wie dem Canisius Colleg und der Odenwaldschule, von der Öffentlichkeit wahrgenommen, was noch im gleichen Jahr zur Einrichtung eines zweiten Runden Tisches auf Bundesebene (Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich) und zur Einsetzung einer Unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs geführt hat. 2016 setzte die Bundesregierung die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs ein.

Dass Kinder und Jugendliche in ihrer Familie wie in anderen pädagogischen Kontexten immer wieder Gewalt erfahren – durch Familienmitglieder, Verwandte, Mitschüler_innen oder Mitbewohner_innen wie durch pädagogischen Fachkräfte, sollte im Jahre 2018 daher eine ebenso unstrittige Einsicht sein wie die fachliche Anforderung, pädagogisches Arbeiten gewaltfrei zu gestalten.

Erziehungswissenschaftlich wurden die bisher bereits vorliegenden, vereinzelten Arbeiten zu Fragen sexualisierter Gewalt in den vergangenen Jahren um eine ganze Reihe neuerer Studien ergänzt. Was in dem damit inzwischen etablierten erziehungswissenschaftlichen Forschungsfeld zu Fragen sexueller Gewalt, das sich in eine breitere sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung einordnen lässt, allerdings bisher nur wenig Aufmerksamkeit gefunden hat, ist die Verstrickung der Fachwissenschaft (Erziehungswissenschaft), und damit auch ihrer Fachgesellschaft (DGfE).

Ins Bewusstsein der Erziehungswissenschaft gerückt sein sollte der Zusammenhang von sexualisierter Gewalt und Disziplin aber spätestens mit der Reflexion der Verwicklung oder Beteiligung einzelner (ehemaliger) DGfE-Mitglieder an der Etablierung und Legitimation gewaltförmiger Konstellationen. Diese hat ihren disziplinären und fachgesellschaftlichen Ort seit 2011 gefunden, also im Nachgang zum damaligen DGfE-Kongress (vgl. u.a. Erklärung der DGfE aus April 2011).

Disziplinär und fachgesellschaftlich steht allerdings mehr als nur die Inblicknahme einer individuell-personalen Verantwortung auf der Agenda. Notwendig ist die Erschließung der organisational-personalen Konstellationen und der historisch-kulturellen Zusammenhänge, die (sexualisierte) Gewalt in pädagogischen Kontexte erst möglich machen oder zumindest begünstigen.

Der amtierende DGfE-Vorstand hat sich deshalb im Frühjahr 2017 (vgl. www.dgfe.de – Stellungnahme von März 2017) selbst verpflichtet, das Thema der Verstrickung der Erziehungswissenschaft als Disziplin und der erziehungswissenschaftlichen Fachgesellschaft in einem mehrschrittigen Prozess disziplinöffentlich auf die Agenda zu setzen.

Das Podiumsgespräch im Rahmen 26. DGfE-Kongresses in Essen stellt sich der notwendigen Auseinandersetzung im Sinne einer selbstkritischen Vergewisserung in Bezug auf Disziplin und Fachgesellschaft, und rückt dazu die beiden eingangs genannten Fragen in den Mittelpunkt.




 
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