Conference Agenda

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Session Overview
Session
AG-II-08: Bildungsbiografische Bewegungen in ländlichen (Schul-)Räumen – Herausforderungen und Perspektiven für die (Historische) Bildungsforschung
Time:
Wednesday, 21/Mar/2018:
9:00am - 11:30am

Session Chair: Dr. Ulrich Leitner, Universität Innsbruck
Session Chair: Prof. Annemarie Augschöll, Freie Universität Bozen
Session Chair: Dr. Edmund Steiner, Pädagogische Hochschule Wallis
Location: T03 R01 D70
30 Plätze, Seminarraum
Session Topics:
qualitative, History of Education, theoretical, Social and religious Movements in Relation to Education and Learning

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Presentations

Bildungsbiografische Bewegungen in ländlichen (Schul-)Räumen – Herausforderungen und Perspektiven für die (Historische) Bildungsforschung

Chair(s): Dr. Ulrich Leitner (Universität Innsbruck), Prof. Annemarie Augschöll-Blasbichler (Freie Universität Bozen), Dr. Edmund Steiner (Pädagogische Hochschule Wallis)

Discussant(s): Prof. Maria Wolf (Universität Innsbruck)

Das wieder erwachte Interesse am Raum in den Kulturwissenschaften führt gegenwärtig zu einer vermehrten Auseinandersetzung mit der ländlichen Lebenswelt. Trotz dieses Forschungstrends sind Prozesse des In-Beziehung-Tretens von Kindern aus ländlichen Gebieten mit institutionalisierten Formen von Bildung nach wie vor ein vernachlässigtes Thema der (Historischen) Bildungsforschung. Diesem Desiderat widmet sich das Panel vor dem Hintergrund schultheoretischer, bildungsbiografischer und raumtheoretischer Überlegungen. Die an ein breites Quellenspektrum herangetragenen Fragen versprechen Einblicke in ländliche Bildungswege. Zugleich wird die Möglichkeit der Schärfung des methodischen Instrumentariums im Umgang mit verschiedenen (historischen) Quellensorten geboten, indem verschiedene methodische Ansätze an konkreten Fallbeispielen erprobt werden und deren Potential für die (Historische) Bildungsforschung ausgelotet wird.

 

Presentations of the Symposium

 

„Ländlichkeit“ als Bildungsprinzip. Die materiellen Grundlagen bildungsbiografischer Bewegungen im ländlichen Raum

Dr. Ulrich Leitner
Universität Innsbruck

Das Knabenseminar Vinzentinum in Brixen im heutigen Südtirol, gegründet 1872, war eine Kaderschmiede kirchlicher Würdenträger der Habsburgermonarchie. In Zeiten des Kultur-kampfes zwischen katholischen Kräften und Liberalismus im Tirol des ausgehenden 19. Jahr-hunderts wurde „Ländlichkeit“ zum Bildungsprinzip des Priesternachwuchses erhoben. Dies zeigt sich einerseits an der topografischen Platzierung der Anstalt (Schule mit Internat) in ei-ner als landschaftlich schön empfundenen Gegend abseits der als unsittlich eingestuften städ-tischen Betriebsamkeit sowie am Diktat nur Knaben und Professoren aus ländlichen Gegen-den aufzunehmen. Auf der Basis von Archivmaterial (darunter architektonische Pläne sowie Statuten) der Schule beleuchtet der Beitrag zunächst die Relevanz dichotomer Raumvorstel-lungen von Stadt und Land zu den Gründungszeiten der Anstalt. Sodann werden autobiogra-fische Aufzeichnungen von ehemaligen Absolventen analysiert, die aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammen. Im Zentrum der Fragestellung stehen die Bedeutung von „Länd-lichkeit“ als Bildungsprinzip in der Geschichte dieser Institution sowie dessen Auswirkung auf die Bildungsbiografien ihrer Schüler.

 

Lebens- und Lernbedingungen in ländlichen Gebieten der Nachkriegsjahrzehnte in Südtirol und ihre bildungsbiographische Relevanz für die Schulkinder

Prof. Annemarie Augschöll-Blasbichler
Freie Universität Bozen

Der Beitrag stellt den Rekontextualiserungsprozess im Zuge der Implementation schulgesetz-licher Verordnungen von der Makro-Ebene in die Mirko-Ebene in peripheren Gebieten in den Fokus des Interesses. Die theoretische Brille auf Schule liefert dabei Helmut Fend in seiner Sicht auf Schule als institutionellen Akteur. Die Untersuchung erfolgt auf der Basis bildungs-biographischer Verläufe von deutschsprachigen SüdtirolerInnen, die in den ersten drei Nachkriegsjahrzehnten ihre Pflichtschule in einer entlegenen Schule absolvierten.

Profunde Kontextanalysen auf mehreren Ebenen, die wiederum in Ermangelung aussagekräftiger traditioneller Quellenmaterialien auch auf die Generierung eigener Quellen angewiesen sind, zeigen empirisch relevante Unterschiede von Lebens- und Lernbedingungen in ländlichen Gebieten auf und rechtfertigen bzw. fordern damit auch den Ansatz der Mikroanalyse.

 

Exploring the way to and from school as a third place: a comparative and intercultural perspective

Prof. Zoé Moody
University of Teacher Education Valais

Die Familie und die Schule sind entscheidende Einflussfaktoren in der Strukturierung der Kindheit, in gleicher Weise beeinflussen die Kinder ihre Familien und die Schule. Diese Wechselbeziehung sowie der natürliche Handlungsdrang der Kinder sind allgemein erkannt. Dennoch existieren wenige Daten darüber, wie die Kinder von einem Bereich in den anderen wechseln und wie diese Zwischensphäre sowohl in die Kindheit, in die Familien wie in die Schulen einwirkt.

Der Beitrag thematisiert ein transdisziplinäres exploratives Untersuchungsprojekt zum Schul-weg in den drei alpinen Schweizer Kantonen Graubünden, Tessin und Wallis. Es werden un-terschiedliche Herangehensweisen an die Thematik Schulweg präsentiert. Der Schulweg ist als Teil eines Systems zu sehen, in dem Erwachsene, lokale Gemeinschaften und die Bildungspo-litik mit- und einwirken, wobei jeder dieser Akteure einen spezifischen Akzent legt auf die Sichtweisen der Eltern, der Lehrpersonen, der Schulleitungen und der Kinder. Die empirischen Daten ermöglichen ein Verständnis der Beziehungen und der Querverbindungen, welche im Zwischenraum zwischen den zwei grundlegenden Bildungsorten Schule und Zuhause wirksam sind. Zudem werden partizipative, qualitativ ausgerichtete Forschungsmethoden mit Gruppeninterviews, mobiler Ethnographie, Kindererzählungen, Foto-Erklärungen, welche in den verschiedenen Modulen eingesetzt wurden, präsentiert und deren Vor- und Nachteile diskutiert.

 

Motive erzählter Kindheit aus zwei Jahrhunderten in einer alpin-ländlichen Region

Dr. Edmund Steiner
Pädagogische Hochschule Wallis

Erlebnisse und Erfahrungen von (Schul-)Kindern, welche in Autobiografien und Romanen, in erzählenden Texten oder Filmen dargestellt werden. Auf dieser Grundlage recherchiert die Studie Filmdokumente und literarische Publikationen, welche Erfahrungen von (Schul-)Kindern im Schweizer Kanton Wallis aus der Zeit zwischen 1815 und 2015 thematisieren. Das Wallis gilt als geografisch abgeschlossener, alpin-ländlich geprägter Raum, in dem die Industrialisierung relativ spät im 20. Jahrhundert einsetzte. Im Beitrag werden die erfassten Dokumente exemplarisch analysiert und interpretiert – im Hinblick auf wiederkehrende Moti-ve, deren Erscheinen und Verschwinden im Verlaufe der Zeit. Zweihundert Jahre Kindheit im Wandel werden auf diese Weise anhand von authentischen Schilderungen und eindrücklichen Bildern szenisch zum Leben erweckt. Der Beitrag fokussiert auf die Frage, wie das ländliche Umfeld in den erzählten Geschichten zum Tragen kommt.

 

Zum Begriff des ländlichen Raumes als diskursiver Kategorie

Dr. Michael Brandmayr
Universität Innsbruck

Dieser Vortrag stellt sich die Frage: Welche Funktion nimmt die Kategorie des ländlichen Raums im Diskurs ein? Der Vortrag stellt dazu zwei Thesen auf, die einerseits eine positive, andererseits eine negative Identifizierung mit dem Begriff des Ländlichen sowie die Konsequenzen dieser Identifierung nachzeichnen, und stellt diese anhand zweier empirischer Beispiele dar. Damit soll gezeigt werden, dass die Funktion des ländlichen Raums als Kategorie politischer Diskurse darin besteht, bei AdressatInnen bestimmte Emotionen zu mobilisieren und eine imaginäre Gemeinschaft zu stiften. Wie dies geschieht, wird mit einem kurzen theoretischen Rückgriff auf Lacan erörtert.

Anhand der Beispiele soll aber auch gezeigt werden, dass diese Funktion für den Forschungsprozess und für uns als Forschende, und damit für die in diesem Panel verhandelte Fragestellung, weitreichende Konsequenzen hat. Zum Abschluss des Vortrags sollen theoretisch-methodologische Reflexionen zum ländlichen Raum als Gegenstand und Forschungsbereich basierend auf gegenwärtigen Diskursen des Ländlichen vorgenommen werden.



 
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