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Sitzungsübersicht
Session
AG-I-07: Aktuelle Herausforderungen der Digitalisierung für Prozesse informeller Bildung
Zeit:
Dienstag, 20.03.2018:
9:00 - 11:30

Chair der Sitzung: Stefan Iske, Otto-von-Guericke Universität Magdeburg
Ort: T03 R03 D89
40 Plätze, Seminarraum
Sitzungsthemen:
qualitativ, Medienpädagogik/-didaktik, theoretisch-reflexiv, Bildung in einer digitalisierten Welt

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Präsentationen

Aktuelle Herausforderungen der Digitalisierung für Prozesse informeller Bildung

Chair(s): Prof. Dr. Stefan Iske (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg)

Diskutant(en): Prof. Dr. Christian Swertz (Universität Wien)

Der Metaprozess der Digitalisierung als gesamtgesellschaftlicher Transformationsprozess stellt neben dem formalen Bildungssystem vor allem auch den Bereich informeller Bildung vor spezifische Herausforderungen.

Die hier eingereichte Arbeitsgruppe diskutiert diese Herausforderungen des technologischen Wandels der Digitalisierung exemplarisch anhand von vier zentralen Aspekten: der Quanti­fizierung, der Algorithmisierung, der Kommerzialisierung sowie des Game-based Learning.

Der Fokus der Beiträge liegt dabei auf mit diesen Aspekten verbundenen Transformation von Welt- und Selbstsichten sowie daraus abgeleiteten gegenwärtigen und zukünftigen Heraus­forderungen für den Bereich informeller Bildung.

Zusammenfassend werden die Beiträge der Arbeitsgruppe in einer relationierenden Bewegung aufeinander bezogen und hinsichtlich ihrer Bedeutung für ein bildungs­theoretisches und medialitätstheoretisches Verständnis "digitaler Bildung" im Bereich des Informellen diskutiert.

 

Beiträge des Symposiums

 

Quantifizierung als Herausforderung für Prozesse informeller Bildung am Beispiel des Quantified Self

Dr. Damberger Thomas, Hebert Estella
Goethe-Universität Frankfurt

Ein spezifisches Phänomen der Digitalisierung der Alltagswelt ist die Quantified Self-Bewegung (Bell, Gemmell 2010). Diese zielt darauf ab, Selbsterkenntnis durch Zahlen zu ermöglichen. Dieses quantitative Feststellen und Dokumentieren von Daten über den eigenen Körper (z.B. Blutdruck, Bewegung) und über eigene Verhaltensweisen (z.B. Schlafphasen) wird dabei als Ausgangspunkt einer Selbstoptimierung interpretiert und auch als Selbsttracking oder Lifelogging bezeichnet (Selke 2014). Damit tangiert das Phänomen Quantified Self mindestens zwei für den Bereich der Bildung wesentliche Aspekte: zum einen das Moment der Selbstbestimmung, zum anderen das der Selbstentfaltung bzw. –vervollkommnung. In einem zunehmend auf Digitalisierung basierendem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, in dem der Wert und die Produktivität eines Menschen an Zahlen festgemacht werden, erscheint ein solches zahlenbasiertes Selbstverständnis als konsequent. Zugleich muss ein derartiges Selbstverständnis als ein extrem reduziertes angesehen werden, da alles Nicht-Quantifizierbare systematisch und grundlegend negiert und ausblendet wird.

Dieser Beitrag diskutiert das Phänomen Quantified Self und die damit verbundene Auffassung von „self-knowledge through numbers“ (Wolf 2010) aus bildungstheoretischer Perspektive. Darüber hinaus wird eine Heuristik vorgestellt, welche darauf abzielt, Quantified Self im Sinne der Chance einer nicht-zahlenmäßigen Selbsterkenntnis als Prozess informeller Bildung zu verstehen.

 

Algorithmisierung als Herausforderung für Prozesse informeller Bildung am Beispiel von Code-Praktiken

Dan Verständig
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Digitale Bildung wird gegenwärtig als das essentielle bildungspolitische Thema diskutiert. Versteht man Digitalisierung dabei nicht bloß als instrumentalistischen und politisch-administrativen Gestaltungsauftrag, sondern als tiefgreifenden historisch-kulturellen Entwicklungsprozess, werden erhebliche Umbrüche auf ökonomischer, sozialer und individueller Ebene deutlich. Dabei spielen Algorithmen und Datenstrukturen auch für Fragen der Subjektivierung und insbesondere für den Bereich informeller Bildung eine erhebliche Rolle, da sie mehr und mehr in gesellschaftliche und individuelle Prozesse eingreifen: sie schreiben sich in Architekturen, Infrastrukturen und Materialitäten des alltäglichen Lebens ein, stellen Kontexte für Kommunikation, Artikulation, Kreativität und Vernetzung her. Damit bilden sie einen konstitutiven Bestandteil hinsichtlich der Frage nach der Herstellung von Orientierungsrahmen und Ermöglichung individueller Selbstbestimmung. Gleichzeitig geraten Praktiken der Identitätsentwicklung durch die tiefgreifende Verwobenheit von Algorithmen mit sozialen Entscheidungs- und Aushandlungsprozessen fundamental in Bewegung.

Kulturelle und soziale Praktiken im Umgang mit Algorithmen und Code bilden den Fokus dieses Beitrags und stellen den Ausgangspunkt dar für die Diskussion eines bildungs­theoretischen und bildungspraktischen Verständnisses der tiefgreifenden strukturellen Verflechtungen der Digitalisierung.

 

Kommerzialisierung als Herausforderung für Prozesse informeller Bildung am Beispiel von Online-Werbung

Prof. Dr. Stefan Iske, Katrin Wilde
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Der Prozess der Digitalisierung verändert den Bereich der Werbung und speziell der Online-Werbung gegenwärtig grundlegend. Beispielhaft hierfür stehen neuartige Werbeformen wie native advertisement, affiliate marketing oder mobile-advertisement in sozialen Netzwerken, Video-Plattformen, Messengern und Apps. Diese Formen unterscheiden sich grundlegend von vorgängigen, analogen Formaten der Fernsehwerbung und Printwerbung. Diesen neuen Werbeformen liegen dabei Geschäftsmodelle zu Grunde, die auf der Sammlung, Analyse und dem Handel mit Daten der Nutzenden basieren. Diese neuartigen Werbepraktiken erfordern auf der Seite der Nutzenden veränderte Kompetenzen, Kenntnisse und Praktiken und stellen damit spezifische Herausforderungen an informelle Bildungsprozesse dar.

Dieser Beitrag diskutiert Transformationen im Bereich der Online-Werbung im Zusammenhang mit Handlungspraxen von Nutzenden. Dabei wird auf empirische Daten eines aktuellen Forschungsprojektes zurückgegriffen. Abschließend werden diese Veränderungen hinsichtlich der Herausforderungen für informelle Bildungsprozesse erläutert und aus bildungstheoretischer Perspektive mit Blick auf eine "digitale Bildung" diskutiert.

 

Game-based Learning als (digitale) Entgrenzung von freizeitbezogener, allgemeiner und beruflicher Bildung

Prof. Dr. Johannes Fromme
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Computer- und Videospiele tragen seit den 1980er-Jahren wesentlich dazu bei, dass digitale Technologien in die privaten Haushalte und in den Medienalltag speziell von Heranwachenden eindringen. Sie sind somit ein wichtiger Motor der Digitalisierung. Die Stichworte Serious Games und Game-based Learning verweisen auf Ansätze, die versuchen, die Faszinationskraft der Spiele für pädagogische und andere „ernste“ Zwecke zu nutzen. Dieser Beitrag fokussiert dagegen den Bereich des informellen Game-based Learning. Dabei werden medienkulturelle Praxen betrachtet, die sich im Bereich der Computerspiele entwickelt haben und die durch digitale Computertechnologie mit konstituiert sind. Diese digitalen Praxen (bzw. Spielkulturen) basieren auf der freiwilligen Partizipation der Gamer und Game-Fans und sind somit Beispiele für Participatory Cultures im Sinne von Jenkins et al. (2006). Die These des Beitrags ist, dass in diesen Spielkulturen nicht nur spielbezogene Kenntnisse und Fähigkeiten erworben werden können, sondern auch „key skills and competencies“ (ebd., S. 3) für die digitale Gesellschaft. Beispiele wie E-Sport, Modding und Let’s Plays zeigen, dass im Rahmen solcher Praxen auch berufliche Orientierungen entstehen (vgl. Wolf/Breiter 2014) und Prozesse einer informellen (beruflichen) Professionalisierung stattfinden können (vgl. Knorr 2012). Diese Phänomene werden als (digitale) Entgrenzung von freizeitbezogener, allgemeiner und beruflicher Bildung diskutiert.

 

"Quantifizierung – Algorithmisierung – Kommerzialisierung – Game-based Learning als aktuelle Herausforderungen für Prozesse informeller Bildung"

Prof. Dr. Christian Swertz
Universität Wien

Im Rahmen dieses Diskussionsbeitrags werden die Beiträge der Arbeitsgruppe in einer relationierenden Bewegung aufeinander bezogen und als Verständnisse digitaler Bildung kontextualisiert. Für die Kontextualisierung wird sowohl die dialektische Bewegung zwischen Bildung als Zustand und Prozess als auch die dialektische Bewegung zwischen Bildung und Ausbildung berücksichtigt. Diese Perspektiven werden unter besonderer Berücksichtigung aktuell etablierter medienbezogener Bildungstheorien, die mit den Schlagworten Medienbildung (Jörrissen/Marotzki 2009), Sprachspieler (Meder 2004) und Mittelsphäre (Sesink 2014) markiert werden können, präsentiert. Damit werden Thesen zu Gemeinsamkeiten und Differenzen in den Beiträgen der Arbeitsgruppe im Sinne des Vorschlags eines generativen Ausgangsimpulses für eine bewegte Diskussion vorgeschlagen. Als Kontrapunkt wird abschließend der Begriff der informellen Bildung mit dem Begriff der Mediensozialisation kontrastiert.



 
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